StartNewsBauwirtschaftTrotz robustem Immobilienmarkt werden in der Schweiz zu wenige Wohnungen gebaut

Trotz robustem Immobilienmarkt werden in der Schweiz zu wenige Wohnungen gebaut

Für Immobilieninvestoren in der Schweiz war auch 2022 ein erfolgreiches Jahr. Die höheren Zinsen beginnen sich aber auszuwirken.

Für Immobilieninvestoren in der Schweiz war auch 2022 ein erfolg­rei­ches Jahr. Die höhe­ren Zinsen begin­nen sich aber aus­zu­wir­ken. Die Wohnungsproduktion wur­de zudem von den gestie­ge­nen Baukosten gebremst. Nun wird zu wenig gebaut, was Menschen auf der Suche nach einer neu­en Wohnung zu spü­ren bekom­men.

So ist es für die Bevölkerung schwie­ri­ger gewor­den, eine Wohnung zu fin­den. Insbesondere in den Städten Genf, Zürich, Luzern oder Zug müss­ten sich Interessenten in Geduld üben, lau­tet das Fazit des Immobilien-Beratungsunternehmens IAZI gemäss dem am Dienstag ver­öf­fent­lich­ten Swiss Property Benchmark. Die Leerstandsziffern bei Mietwohnungen lägen dort bei “deut­lich unter 1 Prozent, was fak­tisch Wohnungsnot” bedeu­te.

“Gemäss der Leerwohnungsziffer gibt es eine Wohnungsnot vor allem in den gros­sen Zentren”, rela­ti­vier­te IAZI-Chef Donato Scognamiglio bei der Präsentation der Ergebnisse der Studie gleich­zei­tig. “Denn rela­tiv vie­le Leute wol­len da hin.” Für Zürich und Genf wür­de er die Frage nach Bestehen einer Wohnungsnot beja­hen.

Lage regional sehr unterschiedlich

“Betrachtet man aber die gesam­te Schweiz, lau­tet die Antwort: Nein”, so Scognamiglio. Schweizweit gese­hen sei die Lage schon schlim­mer gewe­sen und zudem sei sie regio­nal sehr unter­schied­lich.

Die Leerwohnungsziffer per Ende 2022 bezif­fert IAZI schweiz­weit auf 1,3 Prozent. Der IAZI-CEO wies dar­auf hin, dass die­se Ende 2003 oder Ende 2014 bei 0,9 bzw. 1,0 Prozent gele­gen habe; 1989 lag sie gar bei 0,4 Prozent.

Als wei­te­ren wich­ti­gen Punkt hob er die Zunahme der Einpersonenhaushalte her­vor. Im Vergleich zu 1970, als es davon noch rund 20 Prozent gab, hat sich die­se Zahl bis Ende 2021 (neue­re Zahlen gibt es noch nicht) auf 37 Prozent bei­na­he ver­dop­pelt. Die Zahl der Haushalte mit 5 Personen oder mehr hat sich in der­sel­ben Zeitspanne von 16 Prozent auf 5 Prozent auf ver­rin­gert.

Über die ver­gan­ge­nen zehn Jahre ist die Anzahl an Einpersonenhaushalten um 18 Prozent gestie­gen, woge­gen die übri­gen Haushalte ledig­lich um 9 Prozent zuge­nom­men haben. Gefragt sind bei Singles vor allem die Städte. Während schweiz­weit 37 Prozent der Wohnungen nur von einer Person bewohnt wer­den, sind es in Zürich, Bern, Basel, Lausanne oder Genf laut Scognamiglio zwi­schen 46 und 49 Prozent.

Gemäss sei­nen Ausführungen gibt es in der Schweiz – noch – genü­gend Wohnraum, da zwi­schen 2016 und 2021 mehr Wohneinheiten gebaut wor­den sei­en als neue Haushalte gebil­det wur­den.

Wohnnachfrage dürfte hoch bleiben

Er räumt aber auch ein, dass sich dies in Zukunft ändern könn­te. So sei der wich­tigs­te Treiber für die Wohnnachfrage, die Einwanderung, nach wie vor intakt. Ebenso die noch immer sta­bi­le Konjunktur sowie der dyna­mi­sche Arbeitsmarkt. Die Zahl der sich im Bau befind­li­chen Wohnungen deu­te nun dar­auf hin, dass in den kom­men­den Jahren 5000 bis 10’000 Wohnungen pro Jahr feh­len wür­den, so IAZI mit Verweis auf Zahlen des Bundesamtes für Wohnungswesen.

Für den Rückgang im Wohnungsbau gebe es öko­no­mi­sche Erklärungen: So sei­en die Leerstände wegen des Mietwohnungsbooms des letz­ten Jahrzehnts noch bis vor zwei Jahren kon­ti­nu­ier­lich ange­stie­gen, was dazu geführt habe, dass die Bautätigkeit zurück­ging. Die nach der Pandemie gestie­ge­nen Baukosten in Verbindung mit der Lieferketten-Problematik hät­ten dann die Wohnungsproduktion zusätz­lich gedros­selt.

“Das Bauen von Wohnungen rech­net sich nicht mehr so gut”, so Scognamiglio. Wohnbauliegenschaften haben zwar mit 5,9 Prozent im ver­gan­ge­nen Jahr gemäss dem Swiss Property Benchmark noch immer gut ren­tiert, aber weni­ger als die 7,1 Prozent von 2021. Von den 5,9 Prozent Gesamtrendite ent­fie­len zudem 3,0 Prozent auf Bewertungsgewinne.

Die effek­tiv aus der Vermietung ange­fal­le­ne Rendite, also die Mieteinnahmen minus die Mietkosten, habe ledig­lich bei 2,9 Prozent gele­gen, führ­te Scognamiglio mit Blick auf die poli­ti­sche Diskussion und die Empörung wegen angeb­li­cher “Mietabzocke” aus. Ähnliche Renditen sei­en heu­te aber risi­ko­los auch mit siche­ren Anlagen wie Staatsanleihen zu erzie­len.

Sourcecash.ch
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