StartNewsBauwirtschaftStreit ums EWL-Areal: Baufirma holt aus zum Gegenschlag

Streit ums EWL-Areal: Baufirma holt aus zum Gegenschlag

Im Streit um die Kosten für das Projekt auf dem EWL-Areal meldet sich jetzt auch die Halter AG zu Wort. Das Bauunternehmen beteuert, die Mehrkosten seien gerechtfertigt. Ein Knall zwischen den beiden Firmen ist denkbar.

Das EWL-Areal hät­te zum Vorzeigeprojekt der Stadt Luzern wer­den sol­len. Auf dem Grundstück im Unterlachen-Quartier plant die EWL Areal AG im Auftrag der Stadt ein neu­es Quartier mit güns­ti­gen Wohnungen, neu­en Büros und Räumen für die städ­ti­sche Verwaltung, mit vie­len Grünflächen und einem Quartierzentrum in einem his­to­ri­schen Industriegebäude.

Doch so viel­ver­spre­chend das Projekt klingt – es will bis­her nicht in die Gänge kom­men. Während der Planung kam es immer wie­der zu Verzögerungen und wach­sen­den Kosten. Eine erneu­te Medienmitteilung der Stadt und der EWL Areal AG in die­ser Woche passt dar­um in die­se Reihe unglück­li­cher Ereignisse rund um das eigent­li­che Vorzeigeprojekt: Das Vorhaben soll noch­mals 31 Millionen Franken teu­rer wer­den als ange­nom­men (zen­tral­plus berich­te­te).

Halter AG weist Kritik zurück

Für die EWL Areal AG war der Schuldige für die Kostenexplosion schnell gefun­den: Das Bauunternehmen Halter AG, das für die Planung des Projekts zustän­dig ist. Als «inak­zep­ta­bel» bewer­te­te sie die neu­en Forderungen der Halter AG. In den Kommentaren zur Berichterstattung bestä­tig­ten meh­re­re zen­tral­plus-Leser die­se Haltung und ver­mu­te­ten, dass sich das Bauunternehmen berei­chern wol­le. 

Nun schlägt die Halter AG zurück. In einer Medienmitteilung schreibt das Unternehmen, dass es die Darstellung der EWL Areal AG gegen­über der Öffentlichkeit bedau­re. «Die jetzt vor­ge­brach­ten, für die Halter AG über­ra­schen­den Vorwürfe ent­zie­hen sich jeg­li­cher sach­li­chen Grundlage und irri­tie­ren», heisst es wei­ter. 

Änderungen am Projekt führen zu zusätzlichen Kosten

Ein der Mitteilung ange­füg­ter Briefwechsel zwi­schen dem Bauunternehmen und der EWL Areal AG zeigt zudem inter­es­san­te Details im Streit um die Projektkosten – und offen­bart den gros­sen Unmut bei­der Parteien. Ein Schreiben der EWL Areal AG datiert vom 20. März und zeigt deren Reaktion auf den Kostenanstieg. Sie neh­me die neu­en Projektkosten von 230 Millionen Franken «kon­ster­niert» zur Kenntnis. Es hand­le sich um eine simp­le, aber mas­si­ve Kostenerhöhung, obwohl die Halter AG noch im Januar beteu­ert habe, dass das Projekt nicht teu­rer wird als ange­nom­men.

Das neue EWL-Areal könn­te deut­lich teu­rer wer­den. (Bild: EWL Areal AG)

Dem hält die Halter AG ent­ge­gen. Die Zusatzkosten sei­en ent­stan­den, weil die EWL Areal AG im Lauf der Planung immer wie­der Änderungen am Projekt vor­ge­nom­men und bestellt habe. Die Baufirma schreibt in ihrem Brief vom 29. März an die EWL Areal AG: «Es ist denn auch so, dass ein erheb­li­cher Teil der Mehrkosten […] durch Bestellungsänderungen von der Bestellerin bezie­hungs­wei­se deren zukünf­ti­gen Nutzern aus­ge­löst wur­de.» Tatsächlich hat sich das Projekt seit sei­ner ers­ten Präsentation im Jahr 2019 schon deut­lich ver­än­dert. 

Eigentlich soll­te das EWL-Areal zur neu­en Sicherheitszentrale von Luzern wer­den – mit Polizei, Rettungsdiensten, Feuerwehr und VBL-Leitstelle. Doch der Kanton ent­schied 2020 über­ra­schend, die inte­grier­te Polizeileitstelle in Rothenburg anzu­sie­deln und stieg aus. Auch das Kantonsspital änder­te sei­ne Absichten und sta­tio­niert künf­tig nur zwei Rettungsfahrzeuge auf dem EWL-Areal (zen­tral­plus berich­te­te). Dafür kön­nen auf dem Areal deut­lich mehr preis­güns­ti­ge Wohnungen gebaut wer­den.

Neues geologisches Gutachten verschärft Frage der Kosten

Als wei­te­ren Grund für die gestie­ge­nen Kosten nennt die Halter AG auf Anfrage von zen­tral­plus ein neu­es geo­lo­gi­sches Gutachten vom Herbst 2022. Dieses zei­ge im Vergleich zu einem Gutachten aus dem Jahr 2017, das die EWL Areal AG damals in Auftrag gege­ben hat, «grund­le­gend schlech­te­re Verhältnisse im Baugrund». 

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«Wir kön­nen und wol­len nicht die Verantwortung für orga­ni­sa­to­ri­sche und fach­li­che Defizite auf Bestellerseite über­neh­men.»

MAIK NEUHAUS, GESCHÄFTSFÜHRER GESAMTLEITUNG HALTER AG

Das Ausheben und die Stabilisierung der Baugrube sowie die Pfahlarbeiten wer­den dar­um deut­lich teu­rer. Allein die­se Mehrkosten belau­fen sich auf rund neun Millionen Franken. «Seit Bekanntwerden der sich abzeich­nen­den Mehrkosten wur­de die EWL Areal AG trans­pa­rent und umge­hend infor­miert», beteu­ert das Unternehmen.

Preiserhöhung zu «extremer Unzeit»

Diese Argumentation greift einen wei­te­ren Kritikpunkt der EWL Areal AG auf: Die Preiserhöhung kom­me zu einer «extre­men Unzeit». Denn nur weni­ge Tage vor die­ser Information hat die Stadt auf Basis der ursprüng­li­chen Projektkosten über den nächs­ten Finanzierungsschritt für das EWL-Areal infor­miert (zen­tral­plus berich­te­te).

Diesen Vorwurf fin­det die Halter AG «unan­ge­bracht». Die Firma schreibt in ihrer Replik an die EWL Areal AG: «Wir haben in der Vergangenheit die Bestellerin […] stets zeit­nah und trans­pa­rent über zu erwar­ten­de Mehrkosten infor­miert, und zwar gänz­lich unab­hän­gig von der poli­ti­schen Agenda.» Maik Neuhaus, Geschäftsleiter Halter Gesamtleitung, führt auf Anfrage aus: «Die Koordination des poli­ti­schen und des pla­nungs­tech­ni­schen Prozesses ist aus­ser­halb unse­res Kompetenz- und Einflussbereiches.»

Es könnte gar zum Knall kommen

Die Positionen der zwei Unternehmen könn­ten der­zeit nicht wei­ter aus­ein­an­der lie­gen. Ob sich die bei­den Parteien jetzt noch auf einen Preis eini­gen kön­nen, ist frag­lich. Besonders die EWL Areal AG macht kei­nen Hehl aus ihrem Unmut und schreibt der Halter AG: «Ihr Verhalten zwingt uns zu einer Lagebeurteilung. Wir müs­sen und wer­den uns alle Optionen offen­hal­ten.» Möglich ist es also sogar, dass die EWL Areal AG die Verhandlungen abbricht und eine neue Firma für die Planung beauf­tragt.

Maik Neuhaus von der Halter AG wie­der­um sagt, dass das Unternehmen sei­nen «maxi­ma­len Beitrag» zur Lösungsfindung und zum Gelingen des Projekts bei­tra­gen wird. Bevor er zu einem letz­ten Seitenhieb aus­holt: «Wir kön­nen und wol­len jedoch nicht die Verantwortung für orga­ni­sa­to­ri­sche und fach­li­che Defizite auf Bestellerseite über­neh­men.»

Klar ist also nur: Ruhig wird es um das Luzerner Vorzeigeprojekt vor­erst nicht.


VERWENDETE QUELLEN

  • Telefonat mit Anna Domagal
  • Medienmitteilungen der Halter AG und der EWL Areal AG
  • Briefwechsel zwi­schen der Halter AG und der EWL Areal AG

https://www.zentralplus.ch/wohnen-bauen/streit-ums-ewl-areal-baufirma-holt-aus-zum-gegenschlag-2533334/

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