StartNewsEventsStarke Themen, sehr gute Stimmung

Starke Themen, sehr gute Stimmung

Das 50. VDBUM-Großseminar war ein voller Erfolg. Mehr als 1.000 Führungskräfte haben vom 19. bis 22. Juli am Jubiläumsseminar des Verbandes der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik in Willingen teilgenommen. Das Konzept der Co-Vorträge brachte echten Erkenntnisgewinn.

„Endlich“ – so begann VDBUM-Präsident Peter Guttenberger sei­ne Eröffnungsrede beim ers­ten Galaabend in der Upland-Arena und brach­te damit die Freude zum Ausdruck, dass der Wissens-Check-up im Kongresshotel Sauerland Stern Hotel in Willingen nach zwei­ein­halb­jäh­ri­ger Abstinenz wie­der statt­fin­den konn­te. Guttenberger ging auf die Erfolge des VDBUM in den ver­gan­ge­nen 50 Jahren ein und benann­te künf­ti­ge Herausforderungen, denen der Verband mit dem „Strategie- plan 2030“ begeg­nen will. Er beschrieb auch das seit 2002 ein­ge­setz­te Verbandslogo. Nicht allen war bewusst, dass die sie­ben Quader rechts neben dem Verbandsnamen glei­cher­ma­ßen für die Sitze eines grie­chi­schen oder römi­schen Forums ste­hen und für die Zähne eines Zahnrads, das die Baggerkette antreibt oder in einem Getriebe wirkt. Die Sitze sym­bo­li­sie­ren die Kommunikation und die Verbindung zwi­schen Menschen, das Zahnrad bil­det die tech­ni­sche Kompetenz des VDBUM ab. Die Quader sind bewusst nicht gera­de, son­dern als Trapeze dar­ge­stellt, um so die Dynamik und Kraft des Einsatzes wider­zu­spie­geln.

Gefragt sind mehr Standbeine und Zukunftsvisionen

Franz-Josef Paus, Vorsitzender des VDMA-Fachverbandes Bau- und Baustoffmaschinen, sag­te in sei­nem Grußwort: „Der VDBUM und der VDMA haben weit mehr gemein­sam als die ers­ten bei­den Buchstaben. Es ist eine Symbiose zwi­schen Anwendern und Herstellern.“ Prof. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), ging in sei­nem Impulsvortrag auf die Aufgaben der kom­men­den zehn, 15 Jahre ein, vor allem auf die wirt­schaft­li­che, die digi­tal-öko­lo­gi­sche und die sozia­le Transformation. Zu den aktu­el­len Problemen zäh­le, dass „wir uns viel zu sehr ein­sei­tig abhän­gig gemacht haben“ und dass die Produktion zu effi­zi­ent gestal­tet wur­de. „Just-in-time hat funk­tio­niert, tut es nun aber eben nicht mehr“. Manche lei­te­ten dar­aus den Schluss ab, die Globalisierung sei geschei­tert. Dem wider­sprach der Ökonom auch mit Blick auf Großbritannien nach dem Brexit: „Wir brau­chen mehr Standbeine und nicht weni­ger, son­dern mehr Globalisierung.“

Um die Transformation zu bewerk­stel­li­gen, sei­en deut­lich mehr Zukunftsinvestitionen von­nö­ten. „Der deut­sche Staat hat zu lan­ge von sei­ner Substanz gelebt“, so Fratzscher. Sorgen berei­ten ihm die zuneh­men­de Spaltung der Gesellschaft sowie der Fachkräftemangel, der Deutschland weit­aus hef­ti­ger tref­fe als ande­re Staaten. Nötig sei­en mehr Wertschätzung für Einwanderer, das Aktivieren der „stil­len Reserve des Landes“, der Frauen, sowie mehr Qualifizierung und fle­xi­ble Arbeitszeitmodelle.

Podiumsdiskussion mit interaktiver Mitwirkung

Um die Transformation zu bewerk­stel­li­gen, sei­en deut­lich mehr Zukunftsinvestitionen von­nö­ten. „Der deut­sche Staat hat zu lan­ge von sei­ner Substanz gelebt“, so Fratzscher. Sorgen berei­ten ihm die zuneh­men­de Spaltung der Gesellschaft sowie der Fachkräftemangel, der Deutschland weit­aus hef­ti­ger tref­fe als ande­re Staaten. Nötig sei­en mehr Wertschätzung für Einwanderer, das Aktivieren der „stil­len Reserve des Landes“, der Frauen, sowie mehr Qualifizierung und fle­xi­ble Arbeitszeitmodelle.

Podiumsdiskussion mit interaktiver Mitwirkung

Zur Podiumsdiskussion am Dienstagvormittag erhiel­ten die Zuhörer die Möglichkeit, über ein Tool des VDBUM-Partners DAY4Solutions inter­ak­tiv mit­zu­wir­ken. Über ihr Smartphone konn­ten Interessierte auf Fragen der Moderatorin Stichworte bei­steu­ern, die direkt in die Podiumsdiskussion ein­gin­gen. „Wir haben gut gefüll­te Auftragsbücher, teils blo­ckie­ren uns aber viel zu lan­ge Genehmigungsvorgänge. Ist die Genehmigung da, sol­len wir gleich mor­gen begin­nen. Hinzu kommt in eini­gen Bereichen die Lieferkettenproblematik, die zu Verzögerungen führt“, sag­te Peter Guttenberger. „Corona hat uns gezeigt, dass die Verwaltung am Boden ist“, sag­te Thomas Echterhoff, Geschäftsführender Gesellschafter der Bauunternehmung Gebr. Echterhoff sowie Präsident des Bauindustrieverbandes Niedersachsen. Als Positivbeispiel nann­te er das Ahrtal; dort sei die Infrastruktur nach der Hochwasserkatastrophe prag­ma­tisch wie­der­her­ge­stellt wor­den.

Peter Gerstmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Zeppelin, berich­te­te, dass der rus­si­sche Angriffskrieg eine Zäsur für das Unternehmen bedeu­tet, da ein wesent­li­ches Geschäftsfeld mit rund 2.000 Mitarbeitern in Russland und der Ukraine weg­bre­che. Gerstmann und Christian-Hans Bültemeier, Vorstand Hansa-Flex, erklär­ten, dass ihre Unternehmen die Lagerkapazitäten aus­ge­baut haben und auf Verfügbarkeit set­zen. Einigkeit bestand dar­in, dass jene Firmen, die den Markt bis­lang gut behan­delt haben, nun bes­se­re Karten hät­ten. Mittelständler könn­ten mit lang­jäh­ri­gen Kunden Lösungen erar­bei­ten. Hohe Energiekosten kön­ne die Branche durch Energieeffizienz abfe­dern. „Wir kön­nen 50 Prozent der Dieselkraftstoffe durch die Nutzung akku­be­trie­be­ner Technik ein­spa­ren“, erläu­ter­te Prof. Alfred Ulrich, Kölner Labor für Baumaschinen der TH Köln, das Potenzial der Elektrifizierung.

Facharbeiter werden dringend gesucht

Als wesent­li­chen Hebel beim Vorankommen der Digitalisierung mahn­te Peter Guttenberger „mehr Standardisierung“ an. Thomas Echterhoff bezeich­ne­te das bau­be­glei­ten­de Planen als gro­ßes Brancheproblem. Beim Thema Fachkräftemangel wies Peter Gerstmann dar­auf hin, dass es sich hier nicht etwa um eine Akademikerproblematik han­de­le: „Wir brau­chen vor allem Facharbeiter, der Akademikeranteil liegt bei acht Prozent.“ Thomas Echterhoff rief in die­sem Zusammenhang für mehr Wertschätzung für nicht-aka­de­mi­sche Berufe auf.

Die Moderatorin Alexandra von Lingen erör­ter­te in Interviews unter ande­rem auch das Thema Frauen. Karin Hammerl-Ranftl, Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Firmengruppe Max Bögl, erläu­ter­te, dass bei Max Bögl immer­hin 15 Prozent Frauen beschäf­tigt sind, haupt­säch­lich aller­dings im Bereich Verwaltung. Baumaschinenführerinnen müss­ten auch heu­te noch bewei­sen, was sie drauf­ha­ben. Der gute Wille in den Unternehmen sei zwar vor­han­den, warf MTA-Leiter Roland Caillé ein: „Wir haben aber noch immer kei­ne Bewerbungen von Frauen erhal­ten, obwohl wir kör­per­lich scho­nen­de Tätigkeiten aus­ge­schrie­ben haben.“

Vortrags- und Rahmenprogramm stieß auf positive Resonanz

Der VDBUM hat­te sich von sei­nen Fördermitgliedern anläss­lich des 50. Jubiläums ein beson­de­res Vortragsprogramm gewünscht – ein Hersteller und ein Anwender soll­ten ein Produkt aus ihrer jewei­li­gen Perspektive dar­stel­len. Daraus erga­ben sich abwechs­lungs­rei­che, dyna­mi­sche Redebeiträge. Zum Abschluss wur­den Fragen aus dem Auditorium beant­wor­tet; hier spiel­te das Format sei­ne Stärke aus, da sich immer wie­der Zuhörer mit Investitionsbereitschaft zu Wort mel­de­ten, die bis­lang aus ver­schie­de­nen Gründen gezö­gert hat­ten. Anwender konn­ten aus eige­ner Erfahrung berich­ten, wie die Umstellung auf ein neu­es System von­stat­ten­ging, wel­che „Kinderkrankheiten“ es gab oder wie die Belegschaft beim Thema inhalt­lich mit­ge­nom­men wer­den konn­te.

Erstmals fand die beglei­ten­de Fachausstellung mit mehr als 100 Teilnehmern in einem gro­ßen Zelt auf dem Freigelände statt. Der Sommertermin des Seminars ermög­lich­te die Präsentation von deut­lich mehr Baumaschinen und Geräten in der Freifläche als zum übli­chen Wintertermin.

Viele junge Gesichter beim VDBUM

Marco Fecke, ein neu­es und das jüngs­te VDBUM-Vorstandsmitglied, ging auf die Altersstruktur der Mitglieder ein: Zehn Prozent sind dem­nach weni­ger als 35 Jahre alt. Auch beim Großseminar fiel die beträcht­li­che Zahl jun­ger Teilnehmer auf. „Die jun­gen Mitglieder trei­ben uns an“, so VDBUM-Geschäftsführer Dieter Schnittjer. Den Nachwuchs hat der VDBUM gene­rell durch den Baumaschinen-Erlebnis-Tag, das Patenschaftsprogramm, den VDBUM-Zukunftszirkel oder den Azubi-Cup fest im Blick. Die Finalrunde der neu­es­ten Aktion, der Azubi-Cup oder rich­ti­ger­wei­se die 1. Deutschen Meisterschaften im Steuern von Baumaschinen-Simulatoren, wur­den in Willingen von 13 jun­gen Männern und einer jun­gen Frau aus­ge­foch­ten. Den drit­ten Platz sicher­te sich Andrin Schaper (Zeppelin Baumaschinen), Zweiter wur­de Marc Philipp Zurborn (Oevermann Verkehrswegebau). Den ers­ten Platz erreich­te Ben Strauch (Straßen- und Tiefbau See). Der Azubi-Cup wird im zwei­jäh­ri­gen Turnus fort­ge­setzt – mit Regionalmeisterschaften im kom­men­den Jahr und dem Finale beim VDBUM Großseminar 2024.

Wieder Förderpreis vergeben

Zum bereits neun­ten Mal wur­de der VDBUM-Förderpreis in drei Kategorien ver­ge­ben. Der eta­blier­te und mit jeweils 2.500 Euro dotier­te Preis ging an die DMT Dekena-Maschinentechnik, die Liebherr-Werk Bischofshofen und die TU Dresden. Der erst­mals ver­lie­he­ne Sonderpreis für Start-ups ging an Instagrid. Dipl.-Ing. Stephan Kesser vom Institut für Fördertechnik, Materialfluss und Logistik an der TU München sowie Prof. Dr. Alfred Ulrich von der Fakultät für Anlagen, Energie- und Maschinensysteme, Institut für Bau- und Landmaschinentechnik Köln (IBL), deren beruf­li­cher Weg 1984 begann, wur­den von Prof. Jan Scholten für ihr beruf­li­ches Lebenswerk geehrt.

Für gute Stimmung sorg­ten am zwei­ten Galaabend wie­der ein­mal die bei­den Vorstandsmitglieder Dirk Bennje und Prof. Jan Scholten. Den Showact am drit­ten Galaabend prä­sen­tier­te Stihl mit einem Ausschnitt sei­ner Waldarbeits-Meisterschaften. Die Schnelligkeit und Präzision, in der die Aufgaben aus­ge­führt wor­den, sorg­ten für Staunen. In der Upland-Arena konn­ten zwar kei­ne kon­ven­tio­nel­len Kettensägen ein­ge­setzt wer­den, aber auch die Akku-Sägen über­zeug­ten. Daneben stand Carving im Mittelpunkt – eine Disziplin, bei der Skulpturen mit Kettensägen her­ge­stellt wer­den. Andreas Epple, der zum 1. Januar 2023 Geschäftsführer der Stihl-Vertriebszentrale wird, über­reich­te dem VDBUM eine Skulptur für die Geschäftsstelle in Stuhr; Res Hofmann, amtie­ren­de deut­sche Meisterin im Speed-Carving, hat sie geschaf­fen.

85 Prozent der Aussteller und Besucher, die sich für das ursprüng­lich vom 25. bis 28. Januar 2022 ter­mi­nier­te Großseminar ange­mel­det hat­ten, nah­men nun am Sommerseminar teil. „Das ist ein star­kes Ergebnis“, so Dieter Schnittjer. Der Verband hat­te ein attrak­ti­ves Begleitprogramm für die gan­ze Familie auf­ge­legt, um gleich­zei­tig die Teilnahme am Seminar und einen Familienurlaub in den Sommerferien zu ermög­li­chen. Da der Sommer aller­dings Bauzeit ist und bleibt, wird das nächs­te Großseminar wie­der im Winter aus­ge­rich­tet – vom 24. bis 27. Januar 2023 in Willingen.

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