Mittwoch, 17. April, 2024
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Digitalisierungsprojekte in der Baubranche erfolgreich umsetzen

Digitalisierung in der Bauwirtschaft – da gibt es Vorbehalte? Wie Unternehmen und Beschäftigte die Transformation bewältigen können, wurde anhand von Praxiserfahrungen während einer Podiumsdiskussion deutlich.

Digitalisierung ist ein Thema, mit dem sich die Köster GmbH mit ihren rund 2000 Mitarbeitern schon seit mehr als 20 Jahren beschäftigt. Die Kernprozesse des Unternehmens stehen dabei im Vordergrund, wie der Geschäftsführer Nils Köster während einer Podiumsdiskussion erkennen ließ, die auf der vom Software-Unternehmen Capmo organisierten Konferenz „Konkret“ für das digitale Baumanagement am 15. März in München stattfand. Drei zentrale Erfolgsfaktoren für Digitalisierungsprojekte haben wir im Kasten unten zusammengefasst. 

Kernprozesse vereinfachen

Die zentrale Frage sei stets, wie sich Prozesse so standardisieren lassen, dass sie am Ende digitalisiert werden können. „Eine strukturierte Vorgehensweise für die Digitalisierung im Unternehmen ist es, sich diese Kernprozesse vorzunehmen und sich zu fragen, wie sie sich verändern lassen“, sagte Köster. „Ein Beispiel dafür ist der Einsatz von Projektmanagement-Software auf der Baustelle, mit der sich für die Bauleiter alle Abläufe im Bauprozess bis hin zur Übergabe digitalisieren und vereinfachen lassen.“

Im Unternehmen die Vorteile digitaler Prozesse aufzeigen

Michael Steinbauer, bekannt als „Der BaustellenCoach“, ist der Ansicht, dass die größte Herausforderung bei der Digitalisierung die Mitnahme der Mitarbeiter sei: „Für Menschen sind Neuheiten immer eine Last“, betonte er während der Paneldiskussion. „Eine Einführung digitaler Bauprozesse ist schwierig, wenn die Menschen nicht abgeholt werden, sondern eine Änderung von oben nach unten diktiert wird.“ 

Steinbauer und Köster waren sich jedoch einig, dass jüngere Mitarbeiter mittlerweile digitale Bauprozesse erwarten und Unternehmen sie ihnen bieten müssen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Der beste Weg, digitale Veränderungen einzuführen, ist Steinbauer zufolge, den Mitarbeitern durch digitale Prozesse Vorteile zu verschaffen, ihnen zum Beispiel automatisiert zeitraubende oder langweilige Arbeitsschritte abzunehmen. Bei der Einführung von Software dürfe daher nicht das Stichwort Digitalisierung im Vordergrund stehen, weil es viele Mitarbeiter abschrecke. Stattdessen sollten ihnen die Vorteile wie Arbeitserleichterung, Effizienz, Fehlerbeseitigung und das Einsparen von Kosten deutlich gemacht werden.

Unternehmensstrategie und Vorschläge aus der Belegschaft

In der Köster GmbH gibt es eine Abteilung, die sich ausschließlich mit Bauprozessoptimierung befasst. „Wir stellen zunächst eine Strategie auf, um festzulegen, wo wir hinwollen und was dafür notwendig ist. Die Abteilung treibt diese Themen voran“, sagt der Geschäftsführer und rät zu überschaubaren Schritten: „Ich bin immer für konkrete Anwendungen, die spätestens in zwei bis drei Jahren nutzbar sind.“ Neben der übergreifenden Strategie gehe man auch auf Themen ein, die aus der täglichen Praxis kommen. „Ein Beispiel dafür ist der Vorschlag der Mitarbeiter, eine Terminplanungssoftware zu nutzen, um mit allen Beteiligten am Bau zusammenzuarbeiten“, so Köster. Bei monatlichen Treffen diskutiere man darüber, ob solche Projekte in die Unternehmensstrategie passen und entscheide darüber dann in der Geschäftsleitung.

Bei der Einführung von digitalen Lösungen empfiehlt BaustellenCoach Steinbauer den Start im kleinen Projekt, um einen eventuellen Schaden zu minimieren und die Akzeptanz der Mitarbeiter zu prüfen. Nils Köster hingegen ist der Ansicht, dass ein Unternehmen zunächst seine digitale Strategie erarbeiten sollte, um dann festzustellen, welche Projekte man zunächst – unter Umständen im Kleinen – umsetzen möchte. 

Vorwissen klären und niemanden überfordern

Paul Indinger, einer der Gründer und Geschäftsführer von Building Radar, weiß aus Erfahrung, dass es wichtig ist, Vorwissen und Probleme der Anwender aus der Baubranche zu erfragen, um ein Digitalprodukt erfolgreich einzuführen. Man dürfe zum Beispiel nicht davon ausgehen, dass es für alle Mitarbeiter selbstverständlich ist, sich in eine Cloudplattform einzuloggen. 

„Die Nutzung muss einfach sein“, forderte Indinger und nannte als Beispiel das in den vergangenen Wochen heiß diskutierte Anwendung aus der Künstlichen Intelligenz ChatGPT, bei der die User nur eine Zeile Text eingeben müssen.

Capmo-Geschäftsführer Florian Biller (ganz links) moderierte die Panel-Diskussion zwischen Paul Indinger (Geschäftsführer Building Radar), Michael Steinbauer (besser bekannt als Der Baustellencoach) und Nils Köster (Geschäftsführer Köster GmbH). Foto: Capmo / Ingenieur.de

Software einführen und den Einführungsprozess begleiten

In kleineren Unternehmen ist es BaustellenCoach Steinbauer zufolge in der Regel der Chef, der die Digitalisierung in Gang setzt. Er sorgt auch dafür, dass den Mitarbeitern die Nutzung von Software beigebracht wird. In vielen Fällen wird dann ein Mitarbeiter damit betraut, den Prozess zusätzlich zu begleiten – meist parallel zu seiner eigentlichen Arbeit. 

In der Köster GmbH sieht das anders aus: „Wir beziehen einzelne Mitarbeiter in den Prozess ein und stellen sie dafür von ihren anderen Arbeiten frei“, sagt Nils Köster. Den Wert der Wissensvermittlung auf Augenhöhe weiß man auch bei Building Radar zu schätzen: Paul Indinger hob hervor, dass es immer gut ist, wenn ein Mitarbeiter als „interner Champion“ von seinen Erfahrungen berichtet: „Die Einführung von Software klappt viel besser, als wenn wir die Anwendung erklären.“

Digitalisierung bringt viele Vorteile

Einig waren sich die Bausoftware-Experten, dass Unternehmen durch Digitalisierung Kosten sparen, Umsätze steigern und die Arbeit effizienter gestalten können. Nils Köster zufolge lassen sich Projekte wirtschaftlicher und terminsicherer abschließen. Und Michael Steinbauer sieht einen großen Vorteil darin, dass Planer und Bauherren mithilfe von Building Information Modeling (BIM) vorweg bereits die geplanten Gebäude dreidimensional erkunden können: „So lassen sich im Vorfeld Kollisionen zwischen den Gewerken erkennen und vermeiden.“

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