StartNewsDigitalisierungGedanken zum Jahreswechsel: Produktdaten bringen keinen Umsatz

Gedanken zum Jahreswechsel: Produktdaten bringen keinen Umsatz

Produktdaten bringen keinen Umsatz – aber ohne sie wird Wachstum teuer, langsam und riskant. Warum 2026 das Jahr der Datenhygiene wird und was das für Management bedeutet.

Der Jahreswechsel ist tra­di­tio­nell der Moment für Rückblicke, Ausblicke und – wenn wir ehr­lich sind – für wohl­klin­gen­de Vorsätze. Als CEO der buil­dup AG erlau­be ich mir an die­ser Stelle einen Gedanken, der bewusst nicht weich­ge­spült ist.
Denn die Erfahrung aus unzäh­li­gen Gesprächen mit Herstellern, Planern, Betreibern und öffent­li­chen Auftraggebern zeigt: Wir reden im Bau- und Industriekontext ger­ne über Innovation, Digitalisierung, Nachhaltigkeit, IPD, Modulbauweise, Vorfertigung und neu­er­dings sehr viel über KI. Was wir dabei kon­se­quent unter­schät­zen, ist die unspek­ta­ku­lä­re Grundlage von allem – sau­be­re Produktdaten.

Hygiene im Betrieb

Ein pla­ka­ti­ves, aber tref­fen­des Bild: 
Eine Reinigungskraft bringt kei­nen Umsatz. Sie steht in kei­ner Sales-Präsentation, sie taucht in kei­ner Wachstumsstory auf und sie über­zeugt kei­nen Investor. Und trotz­dem käme kaum jemand auf die Idee, sie als ver­zicht­bar zu dekla­rie­ren. 
Warum? Weil Sauberkeit ein Hygienefaktor ist. Ohne sie lei­det zuerst das Arbeitsumfeld, dann die Effizienz und irgend­wann die Existenz des Geschäfts.

Produktdaten ver­hal­ten sich exakt gleich. 
In ihrer rohen Form gene­rie­ren sie kei­nen Umsatz. Eine struk­tu­rier­te Eigenschaftsliste ver­kauft kein Produkt. Ein sau­ber gepfleg­tes Datenmodell gewinnt kei­ne Ausschreibung. Und doch schei­tern heu­te erstaun­lich vie­le Prozesse genau dar­an: 
feh­len­de, nicht ver­füg­ba­re, inkon­sis­ten­te oder ver­al­te­te Produktdaten.

Stellenwert von Produktdaten

Wir sehen das täg­lich bei buil­dup. Interne oder exter­ne Prozesse, die nicht auto­ma­ti­sier­bar sind. Webshops, die mit mini­ma­len Daten den heu­ti­gen Benutzeranforderungen nicht genü­gen. BIM-Modelle, die tech­nisch vor­han­den wären, aber man­gels Datenqualität nicht genutzt wer­den. Nachhaltigkeits- und DPP-Anforderungen, die regu­la­to­risch klar sind, ope­ra­tiv aber im Chaos enden.
Nicht, weil die Unternehmen unfä­hig wären – son­dern weil Produktdaten his­to­risch nie als stra­te­gi­sches Asset behan­delt wur­den.

Das ist kein Vorwurf, son­dern eine Feststellung. Produktdaten waren lan­ge ein Nebenprodukt: ent­stan­den in der Entwicklung, im PM, im Marketing, in der Logistik oder im Verkauf, gepflegt in Excel oder im ERP, ver­teilt über PDFs, Webseiten, per Mail und inter­ne Laufwerke. Solange die Anforderungen und Komplexität gering waren, funk­tio­nier­te das. Diese Zeit ist defi­ni­tiv vor­bei.

Meine klare Erwartung an 2026 

Das Bewusstsein muss sich ent­wi­ckeln. Produktdaten dür­fen nicht län­ger als läs­ti­ge Pflicht gese­hen wer­den, son­dern als not­wen­dig betrieb­li­che Infrastruktur. Als Voraussetzung für Skalierung, Prozesse, Automatisierung und regu­la­to­ri­sche Sicherheit.
Nicht sexy, nicht laut – aber ent­schei­dend.

Wer Produktdaten wei­ter­hin nur dann anfasst, wenn der Schmerz akut wird, wird in den kom­men­den Jahren über­pro­por­tio­nal viel Energie und Geld für Schadensbegrenzung auf­wen­den. Wer sie hin­ge­gen sys­te­ma­tisch struk­tu­riert, ver­ant­wor­tet und pflegt, schafft sich Handlungsspielraum – tech­no­lo­gisch wie wirt­schaft­lich.

Ich höre immer wie­der: “Produktdaten brin­gen kei­nen Umsatz.” Aber ohne sie wird es künf­tig immer schwie­ri­ger, über­haupt wel­chen zu machen.

In die­sem Sinne:
Ein gutes neu­es Jahr – und die Einladung, 2026 nicht nur inno­va­ti­ver oder güns­ti­ger, son­dern auch sau­be­rer zu wer­den.

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