StartNewsDigitalisierungPflicht macht den DPP relevant. Nutzung macht ihn wertvoll.

Pflicht macht den DPP relevant. Nutzung macht ihn wertvoll.

Der Digitale Produktpass wird regulatorisch relevant, weil er zur Pflicht wird. Für Hersteller bedeutet das: Sie müssen ihre Produktdaten, Systeme, Prozesse, Verantwortlichkeiten und Nachweise sauber organisieren. Das ist der Pflichtteil.

Wertvoll wird der Digitale Produktpass aber erst, wenn Architekten, Planer, Bauherren, Betreiber, Händler und Verarbeiter die Daten auch nutzen. Sie brauchen diese Informationen in der Planung, in der Ausschreibung, in der Realisierung, im Betrieb, bei Sanierungen, beim Rückbau und in der Kreislaufwirtschaft, denn ein DPP ist nicht einfach ein weiterer Nachweis. Er ist eine digitale Informationsgrundlage über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts und eines Bauwerks. Für Hersteller heisst das: Sie müssen Produktdaten strukturiert, verlässlich und aktuell bereitstellen.
Erst wenn beide Seiten zusammenspielen, entsteht aus regulatorischer Pflicht echte Digitalisierung.

Der DPP kommt nicht, weil die Branche danach gerufen hat

Seien wir ehrlich: Die Bau- und Produktdatenwelt hat den Digitalen Produktpass (DPP) nicht aus reiner Begeisterung für strukturierte Daten erfunden. Der Druck kommt vor allem aus der Regulierung. Die EU macht den DPP zu einem wichtigen Instrument für mehr Transparenz, Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und digitale Produktinformationen.

Für Datennutzer heisst das: Sie müssen Produktdaten aktiv nachfragen, prüfen und in ihre digitalen Prozesse einbinden.

Auch im Bereich Bauprodukte wird das Thema konkret. Die neuen EU-Regeln sehen Digitale Produktpässe vor, die zentrale Informationen zu Bauprodukten digital zugänglich machen. Dazu gehören zum Beispiel Leistungs- und Konformitätserklärungen, Sicherheitsinformationen und Gebrauchsanleitungen. Damit lassen sich Bauprodukte besser vergleichen, prüfen und in digitale Prozesse integrieren.

Auch für Schweizer Unternehmen ist das Thema relevant. Der Bundesrat hat am 5. Juni 2026 die Vernehmlassung zur Teilrevision des Bundesgesetzes über technische Handelshemmnisse eröffnet. Ziel ist es, die rechtlichen Grundlagen an Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft im internationalen Warenhandel anzupassen. Damit kann auch in der Schweiz ein digitaler Produktepass eingeführt werden. Kurz gesagt: Der DPP ist kein „nice to have“. Er wird Teil der Marktzulassung, der Nachweispflichten und der digitalen Produktkommunikation, trotzdem macht ihn die Pflicht allein noch nicht nützlich.

Kurz: Der DPP ist kein „nice to have“. Er wird Teil der Marktzulassung, der Nachweispflichten und der digitalen Produktkommunikation. Aber das allein macht ihn noch nicht nützlich.

Der eigentliche Wert entsteht in der Nutzung

Ein DPP, der nur erstellt wird, um eine Pflicht zu erfüllen, bleibt teuer und brav. Dann ist er ein digitales Pflichtformular mit besserem Anzug. Interessant wird er erst, wenn seine Daten in echten Prozessen wirken.

Produktdaten werden in allen Phasen benötigt.

In der Planung

Architekten und Fachplaner brauchen verlässliche technische Eigenschaften, Anwendungsbereiche, Masse, Materialien, Leistungswerte, Zertifikate, Nachhaltigkeitsinformationen und Ausschlusskriterien. Nur so können sie Produkte frühzeitig vergleichen, korrekt auswählen und in digitale Planungsprozesse integrieren.

In der Ausschreibung und Beschaffung

Bauherren, Planer und Beschaffungsstellen benötigen eindeutige, aktuelle und prüfbare Produktinformationen. Wenn die Daten gut strukturiert sind, entstehen weniger Rückfragen, weniger Missverständnisse und weniger Medienbrüche.

In der Realisierung

Unternehmer, Verarbeiter und Bauleitungen brauchen klare Informationen zu Einbau, Verarbeitung, Sicherheit, Kompatibilität, Wartung und Dokumentation. Auf der Baustelle müssen Produktdaten nicht schön aussehen. Sie müssen funktionieren.

Im Betrieb

Betreiber und Facility Manager benötigen Produktinformationen für Wartung, Ersatz, Reinigung, Reparatur, Sicherheit, Gewährleistung und Dokumentation. Gerade im Betrieb zeigt sich, ob Produktdaten nur irgendwo abgelegt wurden oder ob sie wirklich nutzbar sind.

Bei Sanierung, Rückbau und Kreislaufwirtschaft

Für Wiederverwendung, Recycling, Entsorgung und Materialnachweise braucht es Informationen zu Zusammensetzung, Herkunft, Schadstoffen, Demontage, Umweltwirkungen und technischen Eigenschaften. Ohne Daten bleibt Kreislaufwirtschaft ein sympathischer Wunschzettel.

Der DPP kann diese Informationen zugänglich machen. Aber nur, wenn die Daten dahinter sauber aufgebaut sind.

Pflicht und Wert des DPP. Erst zusammen entsteht echte Digitalisierung.
Pflicht und Wert des DPP: erst zusammen entsteht echte Digitalisierung (Bild: KI generiert)

Ein PDF informiert. Strukturierte Daten ermöglichen Prozesse.

Heute sind viele Produktinformationen bereits vorhanden. Nur leider oft dort, wo digitale Prozesse sie nicht direkt nutzen können.

  • Auf Webseiten.
  • In PDFs.
  • In technischen Datenblättern.
  • In E-Mails.
  • In Ausschreibungstexten.
  • In internen Listen.
  • In PIM-, ERP- oder CRM-Systemen.
  • Und manchmal vermutlich in einer Excel-Datei, deren Dateiname länger ist als die durchschnittliche Bauprojektlaufzeit.

Das Problem ist also selten, dass gar keine Informationen existieren. Das Problem ist, dass sie nicht strukturiert, nicht eindeutig, nicht aktuell, nicht vergleichbar oder nicht maschinenlesbar verfügbar sind. Für echte Digitalisierung reicht das nicht.

Ein PDF kann gelesen werden.
Ein strukturierter Datensatz kann geprüft, übertragen, verglichen, validiert und in Systeme integriert werden.
Genau hier liegt der Unterschied zwischen digitaler Ablage und digitalem Prozess.

Datennutzer dürfen nicht warten, bis Hersteller alles perfekt liefern

Der DPP wird oft als Herstelleraufgabe verstanden. Das ist nicht falsch – aber zu kurz gedacht.

Natürlich müssen Hersteller ihre Produktdaten bereitstellen. Sie müssen Informationen sammeln, harmonisieren, strukturieren, pflegen und verfügbar machen. Sie müssen klären, welche Systeme welche Daten liefern, wer intern verantwortlich ist und wie Datenqualität langfristig sichergestellt wird. Aber Datennutzer haben eine ebenso wichtige Rolle.

Architekten, Planer, Bauherren, Betreiber, Händler und Verarbeiter müssen klarer formulieren, welche Produktdaten sie benötigen – und in welcher Qualität, Struktur und Verbindlichkeit. Denn solange der Markt weiterhin PDFs akzeptiert, wird er weiterhin PDFs bekommen. Wer digitale Produktdaten nutzen will, muss sie auch verlangen.

Datennutzer sollten sich deshalb fragen:

  • Welche Produktinformationen benötigen wir in Planung, Ausschreibung, Beschaffung, Realisierung, Betrieb und Rückbau?
  • Welche Daten fehlen heute regelmässig?
  • Wo verlieren wir Zeit durch Suche, Rückfragen, manuelle Übertragung oder Medienbrüche?
  • Welche Informationen müssen nebst den Pflichtangaben maschinenlesbar verfügbar sein?
  • Welche Daten brauchen wir für BIM, CAFM, ERP, Simulationen, Berechnungen, Ausschreibung, Dokumentation oder Nachhaltigkeitsnachweise?
  • Welche Anforderungen sollten wir gegenüber Herstellern künftig klarer formulieren?

Das ist keine theoretische Übung. Das ist Nachfragebildung. Und Nachfrage bewegt Märkte schneller als jede Sonntagsrede über Digitalisierung.

Der DPP verbindet Datenquellen mit digitalten Prozessen – Nicht nur bereitstellen, auch nutzen (Bild: KI generiert)

Hersteller brauchen klare Signale aus dem Markt

Für Hersteller ist der DPP ein anspruchsvolles Daten- und Prozessprojekt. Technische Merkmale, Dokumente, Zertifikate, Normen, Umweltinformationen, Klassifikationen, Identifikatoren und Anwendungsinformationen müssen zusammengeführt, gepflegt und zugänglich gemacht werden.

  • Das braucht Ressourcen.
  • Das braucht Verantwortlichkeiten.
  • Das braucht Systeme.
  • Und vor allem braucht es Priorität.

Diese Priorität entsteht schneller, wenn Kunden, Planer, Bauherren, Betreiber und Händler strukturierte Daten aktiv einfordern. Wenn Datennutzer klar sagen, welche Informationen sie für ihre Prozesse brauchen, entsteht Orientierung. Hersteller können ihre Daten nicht nur regulatorisch aufbereiten, sondern auch marktrelevant einsetzen. Dann wird der DPP nicht nur zur Pflichtübung, sondern zum Wettbewerbsvorteil.

Denn wer bessere Daten liefert, ist einfacher planbar, vergleichbar, prüfbar, beschaffbar, dokumentierbar und betreibbar. Oder anders gesagt: Gute Produktdaten verkaufen nicht allein. Aber schlechte Produktdaten verhindern zunehmend, dass ein Produkt überhaupt in digitale Prozesse kommt.

Der DPP verbindet Regulierung, Datenqualität und Nutzung

Der DPP darf nicht als isoliertes Projekt verstanden werden. Er ist kein einzelnes Formular, keine Landingpage und auch kein QR-Code mit Nachhaltigkeitsaspekten.

Er verbindet mehrere Ebenen:

Regulierung
Welche Informationen müssen künftig verpflichtend bereitgestellt werden?

Datenqualität
Sind die Informationen vollständig, aktuell, strukturiert, eindeutig und verlässlich?

Prozesse
Wie werden Daten intern erstellt, gepflegt, geprüft und verteilt?

Nutzung
Können Datennutzer diese Informationen in Planung, Ausschreibung, Realisierung, Betrieb und Rückbau tatsächlich verwenden?

Erst diese Verbindung macht den DPP relevant für die Praxis. Wenn nur die Regulierung erfüllt wird, entsteht Compliance.
Wenn Datenqualität und Nutzung dazukommen, entsteht Digitalisierung.

Was der GS1 Award mit KWC zeigt

Der gemeinsame Use Case von buildup und KWC wurde am GS1 Excellence Day 2026 als Best of Solution Partner Use Case 2026 ausgezeichnet. Im Zentrum stand die konkrete Umsetzung des Digitalen Produktpasses anhand eines realen Produkts.

Der Use Case zeigt exemplarisch, worum es beim DPP wirklich geht: nicht um ein einzelnes Datenfeld, nicht um eine hübsche Produktseite und nicht um einen QR-Code am Produkt. Es geht um die Frage, ob Produktdaten über Systeme, Prozesse und Organisation hinweg belastbar gemacht werden können.

Für Hersteller ist das ein Daten- und Prozessprojekt.
Für Datennutzer ist es eine Chance, bessere Produktinformationen einzufordern und digitale Prozesse aufzubauen.
Für die Branche ist es ein Schritt weg vom Dokumentenaustausch und hin zur nutzbaren Datenbasis.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für eine Standortbestimmung

Der DPP wird nicht über Nacht umgesetzt. Genau deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich vorzubereiten.

Hersteller sollten prüfen:

  • Welche Produktdaten sind bereits vorhanden?
  • Wo bestehen Lücken, Dubletten oder Qualitätsprobleme?
  • Welche Systeme liefern welche Informationen?
  • Wer ist intern für Datenqualität verantwortlich?
  • Welche Informationen müssen künftig DPP-fähig bereitgestellt werden?
  • Wie können Daten für verschiedene Nutzergruppen zugänglich gemacht werden?

Datennutzer sollten prüfen:

  • Welche Produktdaten brauchen wir entlang unserer Prozesse?
  • Welche Informationen fehlen heute in Planung, Ausschreibung, Realisierung, Betrieb oder Rückbau?
  • Welche Daten sollten wir künftig von Herstellern einfordern?
  • Wie können wir strukturierte Produktdaten in unsere digitalen Werkzeuge integrieren?
  • Welche Anforderungen müssen wir in Projekten, Ausschreibungen oder Standards klarer formulieren?

Beide Seiten müssen sich bewegen. Hersteller müssen liefern. Datennutzer müssen verlangen und nutzen.
Sonst bleibt der DPP eine regulatorische Pflicht mit begrenzter Wirkung.

buildup befähigt Hersteller und Datennutzer

buildup befähigt Unternehmen dabei, Produktdaten strukturiert aufzubereiten, digital nutzbar zu machen und für künftige Anforderungen wie den DPP vorzubereiten.

Mit dem DPP Reality Check bietet buildup eine kompakte Standortbestimmung für Hersteller und Anbieter von Produkten. Im Zentrum stehen Datenqualität, Systeme, Prozesse, Verantwortlichkeiten und konkrete nächste Schritte.

Gleichzeitig befähigt buildup auch dabei, die Perspektive der Datennutzer einzubinden: Welche Informationen werden in Planung, Ausschreibung, Realisierung, Betrieb und Rückbau wirklich benötigt? Welche Daten schaffen Mehrwert? Und wie können Anforderungen so formuliert werden, dass daraus digitale Prozesse entstehen?

Der DPP ist kein Selbstzweck.
Er wird durch Regulierung relevant.
Er wird durch Nutzung wertvoll.
Und er wird erst dann wirksam, wenn Hersteller und Datennutzer ihn gemeinsam als Dateninfrastruktur verstehen.

Sourcebuildup
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