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Die neue ISO 19650 wird konkret: Warum strukturierte Produktdaten jetzt an Bedeutung gewinnen

Die ISO 19650-Reihe bildet seit einigen Jahren die Grundlage für das Informationsmanagement im BIM-Kontext. Mit den aktuellen Überarbeitungen und Ergänzungen wird nun deutlicher, wohin sich das digitale Bauen entwickelt: weg von modellzentrierten Ansätzen – hin zu durchgängig strukturierten und vernetzten Informationen. Diese Entwicklung erfolgt schrittweise, aber konsequent. Und sie betrifft insbesondere Bauprodukthersteller.

Vom Modell zur Information

In der Praxis hat sich BIM vielerorts über 3D-Modelle etabliert. Die ISO 19650 präzisiert nun stärker, dass nicht das Modell im Zentrum steht, sondern die zugrunde liegenden Informationen. Neu ist vor allem die konsequente Betrachtung des gesamten Lebenszyklus – von der Planung über die Ausführung bis in den Betrieb und den Rückbau. Informationen müssen dabei so strukturiert sein, dass sie systemübergreifend genutzt und geprüft werden können.

Damit verschiebt sich der Fokus:

    • von Geometrie zu Eigenschaften
    • von Dateien zu Datenstrukturen
    • von Einzelanwendungen zu vernetzten Prozessen

    Qualität und Struktur werden überprüfbar

    Ein zentraler Aspekt der Weiterentwicklung ist die zunehmende Automatisierung von Prozessen. Dazu gehört auch die Validierung von Informationen. Strukturierte Daten nach definierten Modellen (z. B. gemäss ISO 23386/23387) lassen sich prüfen, vergleichen und weiterverarbeiten. Unstrukturierte Informationen hingegen – etwa in Form von PDFs – sind dafür nur eingeschränkt geeignet. Das bedeutet nicht, dass bestehende Formate verschwinden. Aber ihre Rolle verändert sich: Sie ergänzen strukturierte Daten, ersetzen sie jedoch nicht.

    Betrieb und Nutzung rücken stärker in den Fokus

    Mit der Erweiterung der Normenreihe wird der Betrieb eines Bauwerks zunehmend berücksichtigt. Informationen zu Wartung, Austausch, Materialien oder Umweltwirkungen gewinnen an Bedeutung.
    Hier entsteht eine direkte Verbindung zu bestehenden und neuen Anforderungen:

    • Umweltproduktdeklarationen (EPD) liefern Daten zu Umweltwirkungen
    • Digitale Produktpässe (DPP) fordern strukturierte, nachvollziehbare Produktinformationen
    • Digitale Zwillinge benötigen konsistente Daten über den gesamten Lebenszyklus

    Diese Themen entwickeln sich nicht isoliert, sondern greifen ineinander.

    Das Whitepaper als Praxisbezug

    Wie diese Zusammenhänge konkret aussehen, zeigt das aktuelle Whitepaper von Bauen Digital Schweiz / buildingSMART Switzerland zu Umweltproduktdeklarationen (EPD), an dem die buildup einen wesentlichen Beitrag geleistet hat. Es beschreibt den Informationsfluss von der Erstellung einer EPD bis zur Nutzung der Daten in digitalen Anwendungen – und macht sichtbar, wo heute noch Lücken bestehen.

    Im Fokus stehen dabei Fragen wie:

    • Welche Daten liegen bereits vor – und in welcher Form?
    • Wie können diese strukturiert und weiterverwendet werden?
    • Welche Rolle spielen Standards und Schnittstellen?

    👉 hier geht es zum Whitepaper

    Quelle: Bauen Digital Schweiz / buildingSMART Switzerland Whitepaper zu Umweltproduktdeklarationen (EPD)

    Einordnung: Evolution statt Disruption

    Die Entwicklung rund um ISO 19650 ist keine abrupte Zäsur. Sie ist eine konsequente Weiterführung bestehender Anforderungen. Gerade deshalb wird sie oft unterschätzt.
    Viele Grundlagen – wie strukturierte Produktdaten, klare Verantwortlichkeiten oder durchgängige Prozesse – sind seit Jahren bekannt. Neu ist, dass diese Themen stärker miteinander verknüpft und systematisch angewendet werden.

    Fazit

    Die ISO 19650 schafft keinen neuen Hype. Sie konkretisiert eine Entwicklung, die bereits im Gange ist. Für Bauprodukthersteller bedeutet das vor allem eines: Die Qualität, Struktur und Verfügbarkeit von Produktdaten wird zunehmend zum entscheidenden Faktor in digitalen Prozessen. Nicht als kurzfristige Anforderung – sondern als langfristige Grundlage.
    Die entscheidende Frage ist nicht, ob sich diese Entwicklung durchsetzt, sondern, wie aktiv sie gestaltet wird.

    Was jetzt sinnvoll ist

    Ein pragmatischer Einstieg kann entlang drei klarer Schritte erfolgen:

    1️⃣ Daten organisieren (Struktur, Verantwortlichkeiten, zentrale Datenhaltung)
    2️⃣ Daten vernetzen (Standards, Schnittstellen, Integration in Prozesse)
    3️⃣ Daten nutzen (Anwendungen in Planung, Ausführung und Betrieb)

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