StartNewsDigitalisierungDer digitale Produktpass kommt – auch in der Schweiz!

Der digitale Produktpass kommt – auch in der Schweiz!

Warum Hersteller jetzt ihre Produktdaten ernst nehmen sollten. Der digitale Produktpass (DPP) ist kein weiteres Nachhaltigkeits-Label. Und er ist auch keine hübsche Webseite mit QR-Code, auf der ein PDF schläft. Er ist der nächste Schritt in der Produktregulierung: Produktinformationen sollen digital verfügbar, eindeutig zuordenbar, entlang der Wertschöpfungskette nutzbar und über den Lebenszyklus eines Produkts zugänglich sein. Für Hersteller heisst das: Produktdaten werden vom internen Verwaltungsproblem zum Marktzugangsthema.

Die EU hat mit der Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) bereits den Rahmen gesetzt. Die Verordnung ist am 18. Juli 2024 in Kraft getreten und soll nachhaltigere, kreislauffähigere und besser dokumentierte Produkte zur Norm machen. Sie führt den Digital Product Passport als digitale Identitätskarte für Produkte, Komponenten und Materialien ein. Darin sollen relevante Informationen zu Nachhaltigkeit, Kreislauffähigkeit und regulatorischer Konformität elektronisch verfügbar werden.

Auch die Schweiz bewegt sich in diese Richtung. Der Bundesrat hat am 5. Juni 2026 die Vernehmlassung zur Teilrevision des Bundesgesetzes über die technischen Handelshemmnisse eröffnet. Ziel ist es, das Gesetz an Digitalisierung, Onlinehandel und Kreislaufwirtschaft anzupassen. Dabei soll ausdrücklich eine Grundlage geschaffen werden, damit der Bundesrat einen digitalen Produktepass einführen kann.

Vom Produktdatenblatt zum digitalen Nachweis

Im Schweizer Entwurf geht es nicht einfach um zusätzliche Kommunikation. Vorgesehen ist, dass Produktinformationen und Konformitätsnachweise in einem Informationssystem erfasst und entlang der Wertschöpfungskette sowie über den gesamten Lebenszyklus zugänglich sein können. Geregelt werden sollen auch Interoperabilität, Datenzugang, Datenbearbeitung und Datenintegrität.

Das ist ein bemerkenswerter Schritt. Denn damit verschiebt sich die Frage von:
Haben wir irgendwo ein Datenblatt?
zu:
Können unsere Produktdaten digital, aktuell, eindeutig und verlässlich genutzt werden?

Das ist ein kleiner Satz für die Regulierung, aber ein ziemlich grosser Tritt ans Schienbein für alle, die Produktdaten noch als Nebenjob der Marketingabteilung betrachten.

Kreislaufwirtschaft braucht mehr als gute Absichten

Kreislaufwirtschaft klingt sympathisch. Wiederverwenden, reparieren, recyceln, Ressourcen schonen. Nur: Ohne belastbare Produktinformationen bleibt das schnell Sonntagsrede mit Altpapierbeilage.
Die Schweizer Vorlage hält fest, dass wichtige Informationen über Produkte digital verfügbar sein sollen, und zwar über den gesamten Lebenszyklus. Sie sollen nicht nur Verwenderinnen und Verwendern dienen, sondern auch Marktüberwachungsbehörden sowie Unternehmen, die Produkte reparieren, wiederaufbereiten oder recyceln.

Genau hier liegt der Kern: Kreislaufwirtschaft funktioniert nicht durch Absichtserklärungen, sondern durch Daten. Wer ein Produkt reparieren, bewerten, wiederverwenden oder recyceln will, braucht Informationen zu Materialien, Eigenschaften, Konformität, Herkunft, Reparierbarkeit und Entsorgung. Die EU nennt beim digitalen Produktpass unter anderem technische Leistung, Materialien und Herkunft, Reparaturaktivitäten, Recyclingfähigkeit und Umweltauswirkungen über den Lebenszyklus.

Rückverfolgbarkeit wird Teil der Marktlogik

Die Digitalisierung soll Transparenz und Rückverfolgbarkeit entlang der Wertschöpfungskette ermöglichen. Gleichzeitig erleichtert sie die Marktüberwachung, weil Informationen zur Konformität digital zugänglich werden. Für Hersteller ist das unbequem, aber ehrlich: Rückverfolgbarkeit ist nicht mehr nur ein Thema für Lebensmittel, Pharma oder Batterien. Sie wird zum Grundprinzip moderner Produktmärkte.

Wer liefert was?
Welche Version eines Produkts ist betroffen?
Welche Nachweise gehören dazu?
Welche Daten gelten für welche Variante, Charge, Komponente oder Anwendung?

Wenn diese Fragen nicht sauber beantwortet werden können, entsteht kein digitaler Produktpass. Dann entsteht nur ein digitaler Nebelwerfer mit Login-Funktion.

Identifikation ist der Schlüssel

Ein Produktpass funktioniert nur, wenn klar ist, worauf er sich bezieht. Deshalb ist die eindeutige Identifikation zentral. Der erläuternde Bericht zur Schweizer Vorlage beschreibt ein mögliches System mit dezentral gespeicherten Daten und allenfalls einem zentralen Register, in dem mindestens die eindeutigen Produktkennungen gespeichert werden.
Das klingt technisch, ist aber strategisch entscheidend. Ohne eindeutige Produktkennung gibt es keine zuverlässige Verknüpfung von Produkt, Daten, Nachweisen, Versionen und Lebenszyklusinformationen.

Oder schlicht gesagt: Ein digitaler Produktpass ohne eindeutige Identifikation ist wie ein Reisepass ohne Namen. Vielleicht laminiert, aber nutzlos.

Was Hersteller jetzt tun müssen

Hersteller müssen nicht panisch einen DPP-Shop eröffnen. Panik ist selten eine Strategie, höchstens ein teures Projektmeeting mit Catering. Sinnvoller ist ein nüchterner Datencheck:

  1. Produktidentifikation klären
    Welche Produkte, Varianten, Komponenten, Chargen oder Seriennummern müssen eindeutig identifizierbar sein?
  2. Datenquellen prüfen
    Wo liegen technische Daten, Nachhaltigkeitsinformationen, Konformitätsnachweise, Sicherheitsinformationen und Dokumente heute? Im PIM? ERP? Excel? PDF? In der Schublade von Reto, der freitags nie da ist?
  3. Datenqualität bewerten
    Sind die Angaben strukturiert, aktuell, maschinenlesbar und nachvollziehbar? Oder sind sie nur schön formatiert?
  4. Verantwortlichkeiten festlegen
    Wer pflegt welche Daten? Wer prüft sie? Wer gibt sie frei? Wer haftet, wenn Unsinn publiziert wird?
  5. Schnittstellen vorbereiten
    Künftige Produktdaten müssen nicht nur lesbar, sondern austauschbar sein. Interoperabilität ist kein Luxus. Sie ist die Eintrittskarte.

Der eigentliche Punkt

Der digitale Produktpass ist kein isoliertes IT-Projekt. Er ist ein Stresstest für Produktdaten, Prozesse und Organisation.
Hersteller, die heute ihre Produktdaten sauber strukturieren, schaffen nicht nur regulatorische Vorbereitung. Sie schaffen bessere Grundlagen für Vertrieb, Planung, Ausschreibung, Handel, Service, Wiederverwendung und Recycling.

Hersteller, die abwarten, werden später nicht weniger Aufwand haben. Sie werden nur weniger Zeit haben. Auch eine Strategie — ungefähr so elegant wie Brandschutz mit 100er-Noten.

Offizielle weiterführende Informationen

Zur Schweizer Vorlage: Der Bundesrat hat die Vernehmlassung zur Teilrevision des THG am 5. Juni 2026 eröffnet; sie dauert bis 28. September 2026.

Zur EU-Regulierung: Die ESPR ist der zentrale Rechtsrahmen der EU für nachhaltigere Produkte und den Digital Product Passport.

Zur EU-Übersicht: Die Europäische Kommission beschreibt den DPP als digitale Identitätskarte für Produkte, Komponenten und Materialien.

Wie buildup begleitet kann

buildup begleitet Hersteller dabei, Produktdaten strukturiert, eindeutig identifizierbar und digital nutzbar aufzubereiten. Nicht als Datenkosmetik. Sondern als Grundlage für digitale Prozesse, Produktinformationen, Schnittstellen und künftige Anforderungen rund um den Digitalen Produktpass (DPP).

Denn der DPP beginnt nicht beim QR-Code. Er beginnt bei den Daten dahinter.

Sourcebuildup
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