StartNewsDigitalisierungBig Data und die Baubranche 

Big Data und die Baubranche 

Wer jetzt den Kopf in den Sand steckt, wird den Anschluss schnell verlieren, meint der Experte für Digitalisierung der Bauwirtschaft Rene Breyer.

Die von der Menschheit pro­du­zier­te, digi­ta­le Datenmenge steigt rasant an. Im Jahr 2020 lag das Volumen bei 64,2 Zettabyte und bis 2025 wird es laut Prognosen 181 Zettabyte errei­chen (Quelle Statista: Prognose zum welt­weit gene­rier­ten Datenvolumen). Diese Zunahme der Datenmenge macht es für Unternehmen immer wich­ti­ger, Big Data-Analysen in ihre Geschäftsprozesse zu inte­grie­ren. 

Auch die Baubranche, die nicht unbe­dingt als Early Adopter bekannt ist, muss sich mit dem Thema ver­stärkt aus­ein­an­der­set­zen, um trotz der ihr inne­woh­nen­den Komplexität inno­va­tiv, fle­xi­bel und letzt­lich wett­be­werbs­fä­hig zu blei­ben.

Aber was ist Big Data eigentlich? 

Unter dem Begriff ver­steht man einen Prozess, bei dem gro­ße Mengen, viel­fäl­tigs­ter Informationen gesam­melt wer­den, um nütz­li­che Einsichten zu gewin­nen. Es geht ver­ein­facht gesagt dar­um, Daten zu sam­meln, zu ana­ly­sie­ren und die dar­aus gewon­ne­nen Erkenntnisse zu nut­zen. Wichtig dabei ist es zu ver­ste­hen, dass es nicht allein dar­um geht, mög­lichst vie­le Daten zu besit­zen. 

Im Baugewerbe kön­nen Big Data-Informationen aus unter­schied­lichs­ten Quellen stam­men, so z.B. Sensoren, Drohnen, ERP-Systemen, Bauplänen, Wetterdaten, usw.. Diese Vielfalt und Menge an Daten macht es schwer, sie zu ver­wal­ten und letzt­lich sinn­voll zu nut­zen.

Ein kurzer Blick auf die Geschichte 

Die ers­te nen­nens­wer­te digi­ta­le Revolution, die sich nach­hal­tig auf die Planungs- und Baubranche aus­wirk­te, begann nicht wie leicht anzu­neh­men, mit der wei­ten Verbreitung des klas­si­schen Personal Computers, son­dern viel­mehr erst, mit der Einführung eini­ger sehr wich­ti­ger Anwendungen, die wir heu­te als selbst­ver­ständ­lich anse­hen. Ganz vorn ist dabei CAD-Software zu nen­nen, die es ermög­lich­te eine bis dahin nicht gekann­te Präzision in die Planungen zu brin­gen und dabei gleich­zei­tig schnel­le und ein­fa­che Anpassungen erlaub­te. Die “Killer-App” aber, die die meis­ten Planungs- und Bauunternehmen in die moder­ne Welt brach­te, war die E‑Mail. Sie wur­de schnell zum De-fac­to-Standard für die Dokumentation und Übermittlung von Projektinformationen.

Mobile Computing stell­te die zwei­te digi­ta­le Revolution für unse­re Branche dar. Heute, da fast jeder an einem Bauprojekt Beteiligte ein in irgend­ei­ner Form mobi­les Gerät stän­dig bei sich trägt, ist es nicht schwer zu erken­nen, wo wei­te­re wich­ti­ge Datenquellen lie­gen. Im Laufe eine Bauprojekts ver­lässt sich nie­mand mehr auf Papierdokumente, son­dern auf die Daten, die in den ver­schie­de­nen Computersystemen, Festplatten, Servern, Cloud-Speichern und ‑Diensten und/oder anders­wo im Äther gespei­chert sind.

Und das bedeutet nun was? 

Der Schlüssel zu einer wert­vol­len Nutzung von Big Data ist die Überlegung, wie sich wich­ti­ge und rele­van­te Informationen aus all den diver­sen Daten extra­hie­ren las­sen? Dabei gibt es drei Dinge, die bei einer umfang­rei­chen Analyse unbe­dingt erfor­der­lich sind: 

  1. Die rich­ti­gen Menschen, 
  2. Die rich­ti­gen Prozesse und 
  3. Die rich­ti­gen Werkzeuge. 

Wie man nütz­li­che Informationen aus einer rie­si­gen Sammlung digi­ta­ler Daten extra­hiert hängt davon ab, wel­che Fragen man letzt­end­lich zu beant­wor­ten ver­sucht. Wer die fal­schen Fragen stellt, erhält mit Sicherheit auch kei­ne wert­vol­len Ergebnisse. Die Kunst bei der Datenanalyse besteht dar­in zu wis­sen, wonach man suchen muss, um das erklär­te Ziel zu errei­chen. Hier braucht es Erfahrung.

Es gibt kei­nen Studiengang oder auch Kurs, der einem bei­bringt, wie man Baudaten sinn­voll aus­wer­tet. Um das vol­le Potenzial von Big Data in der Baubranche zu nut­zen braucht es jeman­den, mit einem soli­den Hintergrund in der Baupraxis, kom­bi­niert mit einem soli­den Hintergrund in der Informationstechnologie, ins­be­son­de­re in der Datenbankverwaltung. Kurz gesagt, der Prozess erfor­dert jeman­den, der sowohl ein “digi­tal nati­ve” als auch ein Veteran der Baubranche ist. Das ist ein sel­te­nes Gut!

FAZIT

Big Data ist für vie­le Unternehmen her­aus­for­dernd – vor allem für die­je­ni­gen, die gera­de erst begin­nen, den Wert zu erken­nen. Wie zu Beginn erwähnt ist aber nicht abzu­se­hen, dass die Menge der Daten zukünf­tig abneh­men wird. Die Unternehmen, die sich die Zeit neh­men, Daten zu sam­meln, sie zu ana­ly­sie­ren und in ver­wert­ba­re Erkenntnisse umzu­wan­deln, wer­den leicht einen Wettbewerbsvorteil erlan­gen, sie wer­den in der Lage sein, Wachstumschancen auf­zu­spü­ren, ihre Ressourcen bes­ser zu nut­zen und ihre Prozesse in noch nie dage­we­se­ner Weise zu opti­mie­ren. Diejenigen jedoch, die den Kopf in den Sand ste­cken und hof­fen, dass das “Problem” ver­schwin­det, wer­den schnell den Anschluss ver­lie­ren.

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