StartNewsBauwirtschaftWorldSkills 2026: Die Schweiz baut auf Können

WorldSkills 2026: Die Schweiz baut auf Können

Zwölf Medaillen, Rang drei weltweit und die erfolgreichste europäische Nation: Die Schweiz gehört an den WorldSkills 2026 in Shanghai erneut zur Weltspitze. Besonders bemerkenswert ist das Abschneiden in handwerklichen und baunahen Berufen. Der Erfolg zeigt, welchen Wert eine starke Berufsbildung für einen Wirtschaftsstandort haben kann.

Vier Tage lang wur­de in Shanghai pro­gram­miert, geschweisst, gemau­ert, instal­liert, geschrei­nert und kon­stru­iert. Rund 1’400 jun­ge Berufsleute aus 68 Ländern und Regionen tra­ten bei den WorldSkills 2026 in 64 ver­schie­de­nen Disziplinen gegen­ein­an­der an. Für die Schweiz waren 42 Berufstalente in 38 Skills am Start. Die Bilanz kann sich sehen las­sen: vier Gold‑, zwei Silber- und sechs Bronzemedaillen sowie wei­te­re 23 «Medals of Excellence». Damit erreicht die Schweiz Rang drei der Nationenwertung und ist die erfolg­reichs­te euro­päi­sche Delegation.

Das Bauhandwerk mischt ganz vorne mit

Aus Sicht der Bauwirtschaft lohnt sich ein genaue­rer Blick auf die Resultate. Denn ein erheb­li­cher Teil der Schweizer Spitzenleistungen kommt aus Berufen, ohne die auf kei­ner Baustelle beson­ders viel pas­siert.

Matthias Steiner wur­de im Bereich Plumbing and Heating Weltmeister. Robin Hollenstein hol­te Silber im Maurerhandwerk, Kilian Moser Bronze bei den Elektroinstallationen und Augustin Mettraux Bronze im Bereich Joinery. Dazu kommt Gold für Sandro Amrhein, Baumaschinenmechaniker EFZ, in Heavy Vehicle Technology.

Robin Hollenstein hol­te Silber im Maurerhandwerk (Bild: bauberufe.ch)

Und die Medaillen erzäh­len nur einen Teil der Geschichte. Schweizer Teilnehmende erhiel­ten auch in Wall and Floor Tiling, Plastering and Drywall Systems, Painting and Decorating, Cabinetmaking und Carpentry eine «Medal for Excellence» – eine Auszeichnung für Leistungen auf inter­na­tio­na­lem Spitzenniveau.

Gerade für eine Branche, die seit Jahren über Nachwuchs- und Fachkräftemangel dis­ku­tiert, ist das ein bemer­kens­wer­tes Signal: Handwerkliche Berufe kön­nen tech­no­lo­gisch anspruchs­voll, inter­na­tio­nal kon­kur­renz­fä­hig und für jun­ge Menschen eine Karriere mit Perspektive sein.

Ein Erfolgsfaktor liegt näher als Shanghai

Warum schnei­det ein Land mit knapp neun Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern in einem welt­wei­ten Berufswettbewerb der­art gut ab?

Eine mono­kau­sa­le Antwort wäre zu bequem. Hinter den WorldSkills ste­hen aus­ser­ge­wöhn­lich talen­tier­te jun­ge Menschen, inten­si­ve Vorbereitung und ein pro­fes­sio­nel­les Umfeld. Swissmem spricht von einer fast ein­jäh­ri­gen Vorbereitung mit regel­mäs­si­gem Training, inter­na­tio­na­len Experten und sport­psy­cho­lo­gi­scher Begleitung. Aus Lernenden wer­den für den Wettbewerb regel­rech­te «Berufsathleten».

Ein struk­tu­rel­ler Vorteil der Schweiz dürf­te jedoch ihr dua­les Berufsbildungssystem sein. Rund zwei Drittel der Jugendlichen erhal­ten hier­zu­lan­de eine beruf­li­che Grundbildung. Charakteristisch ist die enge Verbindung von Ausbildung im Unternehmen und Unterricht an der Berufsfachschule. Lernende beschäf­ti­gen sich des­halb nicht nur mit Theorie oder Übungsaufgaben, son­dern arbei­ten bereits wäh­rend ihrer Ausbildung in rea­len betrieb­li­chen Prozessen.

Der Zusammenhang mit dem Erfolg an den WorldSkills lässt sich damit nicht wis­sen­schaft­lich bewei­sen. Er ist aber plau­si­bel: Wer früh unter rea­len Bedingungen arbei­tet, lernt neben Fachwissen auch Präzision, Verantwortung, Problemlösung und den Umgang mit Zeitdruck. Genau jene Fähigkeiten also, die bei einem inter­na­tio­na­len Berufswettbewerb plötz­lich ziem­lich nütz­lich wer­den.

27.09.2026; Shanghai; Worldskills Shanghai 2026 – Closing Ceremony – Goldmedaille für Matthias, Steiner, Matthias Steiner, Plumbing and Heating, Sanitärinstallateur, Lyssach, Bern, WorldSkills Shanghai 2026, WorldSkills, Shanghai, 2026, 27.09.2026, Closing Ceremony (Foto: SwissSkills/Michael Zanghellini)

Auch eine Botschaft an die Bauwirtschaft

Der Erfolg von Shanghai soll­te des­halb nicht nur als schö­ne Momentaufnahme gefei­ert wer­den. Er ist auch eine Erinnerung dar­an, wel­chen stra­te­gi­schen Wert Berufsbildung hat.

Die Bauwirtschaft ver­än­dert sich rasant. Digitalisierung, BIM, Vorfertigung, Automatisierung, neue Materialien und stei­gen­de Anforderungen an Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft ver­än­dern Berufsbilder. Das macht hand­werk­li­ches Wissen nicht über­flüs­sig – im Gegenteil. Die Verbindung von prak­ti­schem Können, tech­ni­schem Verständnis und digi­ta­len Kompetenzen wird wich­ti­ger.

Dass die Schweiz bei den WorldSkills sowohl in klas­si­schen Gewerken wie Sanitär, Maurerarbeiten und Schreinerei als auch in Bereichen wie Industry 4.0 und Softwareentwicklung Medaillen gewinnt, passt erstaun­lich gut zu die­ser Entwicklung. Die Grenze zwi­schen «Handwerk» und «Technologie» wird zuneh­mend künst­lich.

Vielleicht liegt genau dar­in die wich­tigs­te Botschaft aus Shanghai: Die Zukunft der Bauwirtschaft besteht nicht dar­in, das Handwerk durch Technologie zu erset­zen. Sie besteht dar­in, bei­des mit­ein­an­der zu ver­bin­den. Und zumin­dest an den WorldSkills zeigt die nächs­te Generation gera­de ziem­lich ein­drucks­voll, dass sie das kann.

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