StartNewsBauwirtschaftVom Acker in die Wand: Haus aus heimischen Rohstoffen

Vom Acker in die Wand: Haus aus heimischen Rohstoffen

Für eine höhere Energieeffizienz werden Gebäude meist mit Styropor oder Mineralwolle gedämmt. Architekten aus Südhessen holen die Dämmung für ihre Gebäude aber nicht im Baumarkt, sondern beim Bauern.

Er will das Stroh aber nicht in Ställen für Pferde oder Kühe aus­le­gen, er baut ein Haus. Sein kli­ma­scho­nen­des Baumaterial kommt vom hei­mi­schen Acker und aus dem Wald neben­an.

Auf dem Areal ent­steht ein mit Stroh hoch­ge­dämm­tes, Treibhausgase spei­chern­des, fast voll­stän­dig recy­cel­ba­res drei­ge­schos­si­ges Gebäude. «Wir kön­nen gleich teu­er bau­en mit maxi­ma­ler Klimaschonung», sagt Tilman Schäberle vom Architektenbüro «Shakti Haus» aus Bad König zum Vergleich mit her­kömm­li­chen Bauweisen. «Teurer lan­den wir defi­ni­tiv nicht.»

In Zeiten, in denen wegen der Energieeffizienz aller Orten bei Bauten von Dämmung gespro­chen wird, holen Schäberle und sei­ne Partnerin Susanne Körner die Dämmung beim Bauern ab. Gut ein Dutzend die­ser Gebäude haben die bei­den in den ver­gan­ge­nen Jahren kon­zi­piert und gebaut. Für sie ist es aber das ers­te öffent­li­che Gebäude, dass sie bau­en. Hier gebe es bei Hallen, Schulen oder auch Kindergärten durch­aus Potenzial. Und: «Wir müs­sen das Rad nicht neu erfin­den, das gibt es seit mehr als 100 Jahren», sagt Körner.

Strohballenbau kommt aus der Nische heraus

Bei allen Diskussionen um Einsparpotenziale beim Energieverbrauch, Nachverdichtung und feh­len­dem bezahl­ba­ren Wohnraum set­zen auch Städte auf nach­hal­ti­ges Bauen. So hat Darmstadt jüngst einen Preis aus­ge­lobt. Der «Klimapreis für nach­hal­ti­ges Bauen» umfas­se unter ande­rem Themen wie Energieeffizienz oder auch nach­hal­ti­ge Baustoffe.

«Die Entwicklungen der letz­ten fünf bis zehn Jahre zei­gen, dass sich der Strohballenbau lang­sam aus einer Nische her­aus­be­wegt», sagt Adina Lange vom Fachverband Strohballenbau Deutschland. So wür­den in Lüneburg Mehrfamilienhäuser und auch ein öffent­li­cher Hort rea­li­siert.

Der über­wie­gen­de Teil der Bauherren sei aller­dings pri­vat. Das kön­ne sich in Zukunft aber ändern, da die­se Häuser eine aus­ge­zeich­ne­te Klimabilanz mit sich brin­gen. Nach Angaben des Verbandes gibt es der­zeit in Deutschland rund 1200 Häuser in die­ser Bauart. Jährlich wür­den rund 50 neue dazu­kom­men.

Nachwachsende Rohstoffe aus der Nachbarschaft

«Wir haben Nachhaltigkeitskonzepte erstel­len las­sen», sagt der Geschäftsführer des Michelstädter Abwasserbetriebes, Gunnar Krannich. Nachhaltigkeit sei schon lan­ge ein Thema und man habe gezielt Architekten gesucht, die sich im Strohballenbau bereits pro­fi­liert haben. Das Projekt sei nach­hal­tig und regio­nal. Das Holz für das Gerüst stam­me aus dem Michelstädter Forst. Das zu Quadern und nicht zu Rundballen gepress­te Stroh von einem Bauernhof in Höchst im Odenwald – nach­wach­sen­de Rohstoffe aus der Nachbarschaft.

Für das Gebäude wer­den ins­ge­samt rund 120 Kubikmeter Holz aus dem loka­len Wald ver­baut für Aussenwände, Innenwände, Dach, Decken, Fassade, Aussteifung, Beplankung der Innen- und Aussenwände, zudem rund 1200 Strohballen. Der Stückpreis liegt bei 2,50 bis 3 Euro. «Das sind schon rich­ti­ge Mengen, die da drin ste­cken», sagt Körner über das geplan­te mehr­ge­schos­si­ge Büro- und Betriebsgebäude mit einer Nutzfläche von 310 Quadratmetern.

So wenig Abfall wie möglich

Nach Angaben von Krannich wird zudem ver­sucht, so wenig Abfall wie mög­lich zu pro­du­zie­ren. «Wir las­sen wenig übrig.» 50 Prozent des Mülls ent­ste­he beim Bau. Weit unter zehn Prozent des Baumaterials sei nicht aus nach­wach­sen­den Rohstoffen, wie zum Beispiel die Schrauben, Stahlträger oder auch Aluminiumteile.

Nach Angaben von Körner und Schäberle bau­en sie zum ers­ten Mal aus­schliess­lich mit hei­mi­schen Produkten. Wegen der Strohquader habe man meh­re­re Landwirte kon­tak­tie­ren müs­sen. Beim Bau wer­den die Wände in einer Halle vor­pro­du­ziert und dann in einer Art Fertigbauweise am geplan­ten Standort zusam­men­ge­setzt.

Das Vorproduzieren in der Halle sei auch nötig, damit das Stroh nicht nass wer­de. Die vor­pro­du­zier­ten Bauteile wer­den schliess­lich mit Platten luft- und wind­dicht ver­sie­gelt. Und Körner räumt auch wei­te­re etwa­ige Ängste aus: «Die Strohballen sind frei von Mäusen oder ande­ren krab­beln­den Tieren.»

Sourcenau.ch
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