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Öko-Siegel für Bauprodukte und Gebäude

Bei der Planung von nachhaltigen Gebäuden helfen Zertifizierungen und Siegel. Einige beziehen sich auf die verbauten Materialien und Bauprodukte, andere auf die ganze Immobilie. Eine Übersicht

Von Marian Behaneck

Menschen in Industrieländern ver­brin­gen einen gro­ßen Teil ihrer Lebenszeit in geschlos­se­nen Räumen in der Wohnung oder im Büro. Dies ver­deut­licht, wie wich­tig eine bewuss­te Auswahl von Wand‑, Boden- oder Deckenmaterialien, Belägen oder Farben für die Gesundheit und das Wohlbefinden ist. Auch Umwelt und Gesellschaft pro­fi­tie­ren, wenn bei der Auswahl von Baustoffen Umweltaspekte eben­so berück­sich­tigt wer­den, wie die Herkunft und Produktion, Transport‑, Bau- und Montageabläufe, Lebenszyklusaspekte sowie ethi­sche und sozia­le Faktoren.

Welche Öko-Siegel für den Bau gibt es?

Ob ein Gebäude oder ein Material nach­hal­tig ist, kann mit Zertifizierungen und Siegeln ver­mit­telt wer­den. Doch deren Vielzahl ist inzwi­schen kaum noch über­schau­bar. Die Palette reicht von Siegeln unab­hän­gi­ger Institutionen, über Siegel von Interessensverbänden mit einer frei­wil­li­gen Selbstkontrolle, bis hin zu mar­ke­ting- oder wer­be­ori­en­tier­ten Prüfplaketten der Baustoffindustrie.

Ganz grob kann man das Angebot an her­stel­ler­un­ab­hän­gi­gen Umwelt- und Öko-Siegeln in drei Kategorien ein­tei­len:

  • Siegel, die der Bewertung von Materialien in Bezug auf eine nach­hal­ti­ge Herkunft und Produktion die­nen,
  • Siegel, die zusätz­lich auch bestimm­te Produkteigenschaften zer­ti­fi­zie­ren oder
  • Siegel, die für kom­plet­te Gebäude einen Nachhaltigkeitsnachweis lie­fern.

Material-Siegel

Material-Siegel wer­den für nach­hal­tig pro­du­zier­te Rohstoffe und Materialien ver­ge­ben und sol­len für eine Nutzung von Ressourcen bür­gen, die sich an der natür­li­chen Regenerationsfähigkeit ori­en­tiert. Zu den ältes­ten gehört der 1993 begrün­de­te FSC-Standard, der nach­hal­tig pro­du­zier­tes Holz in Holzprodukten zer­ti­fi­ziert. Mit Material-Siegeln aus­ge­zeich­ne­te Produkte sind aller­dings nicht zwangs­läu­fig öko­lo­gisch oder gesund­heit­lich unbe­denk­lich, da nur die Herkunft und Produktkette zur Rohstoffgewinnung über­prüft und zer­ti­fi­ziert wer­den.

Produkt-Siegel

Produkt-Siegel bezie­hen sich auch auf alle für die Produktion eines Produktes erfor­der­li­chen Materialien, auf ihre Herkunft und Nachhaltigkeit. Darüber hin­aus ste­hen sie auch für die Qualität und die bio­lo­gi­schen oder che­mi­schen Eigenschaften des kom­plet­ten Produktes, das häu­fig aus meh­re­ren Komponenten besteht.

Gebäude-Siegel

Gebäude-Siegel bewer­ten das gesam­te Bauwerk auf sei­ne Nachhaltigkeit – und damit auch alle dar­in ver­bau­ten Baumaterialien und ‑pro­duk­te. Auch bei deren Herstellung anfal­len­de Emissionen oder Energieverbräuche sowie Lebenszykluskosten, die sich aus Betriebs‑, Inspektions‑, Wartungs- oder Reinigungskosten zusam­men­set­zen, wer­den berück­sich­tigt. Diese Siegel spie­len in der Immobilienentwicklung und ‑ver­mark­tung inzwi­schen eine gro­ße Rolle. Ein Beispiel ist das Bewertungssystem DGNB von der Deutschen Gesellschaft für nach­hal­ti­ges Bauen.

Frau in einem Prüflabor mit Kammern und Türen aus Stahl
Material- und Produktprüfungen set­zen ein umfang­rei­ches tech­ni­sches Equipment vor­aus, etwa kli­ma­ti­sier­te Prüfkammern zur Untersuchung der Schadstoffabgabe. Foto: TÜV Rheinland

Wichtige herstellerneutrale Produktsiegel

Cradle to Crdale certfied Siegel

Cradle to Cradle

Der Begriff „Cradle to Cradle“ wur­de von dem deut­schen Chemiker Michael Braungart und dem US-ame­ri­ka­ni­schen Architekten William McDonough ent­wi­ckelt und hat sich inzwi­schen als Synonym für kreis­lauf­fä­hi­ges Bauen eta­bliert. Tatsächlich „Cradle to Cradle“ ist ein Bauprodukt aber nur mit einem ent­spre­chen­den Zertifikat, das vom Cradle to Cradle Products Innovation Institute für diver­se Produktarten und in meh­re­ren Abstufungen ver­ge­ben wird. Das Konzept des zir­ku­lä­ren Bauens nach dem Cradle to Cradle Prinzip wird von der C2C NGO ver­brei­tet.

EU Ecolabel Siegel

EU Ecolabel

Für das von der Europäischen Kommission initi­ier­te EU Ecolabel wer­den diver­se Produkte geprüft, dar­un­ter auch Bau- und Ausbauprodukte. Untersucht wer­den die Herkunft, che­mi­sche und bio­lo­gi­sche Eigenschaften, Güte und Qualitätskriterien, Zusammensetzung, Recycling- und Entsorgungsfähigkeit. Ebenso geprüft wer­den Inhaltsstoffe und Emissionen gefähr­li­cher oder gesund­heits­ge­fähr­den­der Stoffe, wie etwa Weichmacher.

PEFC Siegel

PEFC

Das inter­na­tio­na­le Siegel PEFC des PEFC-Council (Programme for the Endorsment of Forest Certification Schemes) garan­tiert, dass ver­wen­de­tes Holz über­wie­gend aus nach­hal­tig bewirt­schaf­te­ten Wäldern kommt. Die PEFC-Variante „regio­nal“ bürgt zudem für zu 100 Prozent zer­ti­fi­zier­tes Material aus der genann­ten Region.


Wichtige unabhängige Gebäudesiegel

Siegel Nachhaltiges Gebäude

BNB

Das BNB (Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen) ist ein Bewertungssystem des Bundes für die Planung und Bewertung meist öffent­li­cher Bauvorhaben. Für Bürogebäude, Unterrichtsgebäude, Laborgebäude und Außenanlagen bestehen stan­dar­di­sier­te Zertifizierungsprozesse. Dabei wer­den Ökologische, öko­no­mi­sche, soziokulturelle/funktionale sowie die tech­ni­sche Qualität mit je 22,5 Prozent bewer­tet, die Prozessqualität der Planung mit 10 Prozent. Die eigent­li­che Zertifizierung erfolgt durch auto­ri­sier­te pri­va­te Institute.

Breeam Logo

BREEAM

BREEAM steht für Building Research Establishment Environmental Assessment Method. Das ist ein Zertifizierungssystem zur Bewertung der Gebäude-Nachhaltigkeit, bei dem ver­schie­de­ne Aspekte berück­sich­tigt wer­den, zum Beispiel der Energie- und Wasserverbrauch, Bauweisen und Materialien, Gesundheit und Komfort sowie die öko­lo­gi­schen Auswirkungen des Gebäudes. Die Ergebnisse wer­den in fünf (Neubau), bzw. sechs Exzellenzgraden (Bestand) abge­bil­det. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird das BREEAM-Siegel durch den TÜV Süd ver­ge­ben.

DGNB Logo

DGNB Gütesiegel Nachhaltiges Bauen

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. bewer­tet Gebäude nach öko­lo­gi­schen Faktoren von Bauprodukten, wie etwa Außenwandbekleidungen, Bodenbeläge, Dämmstoffe, Bauplatten, Beschichtungen, Türen und Tore sowie Wasser- und Abwasseranlagen. Bei der DGNB-Gebäudebewertung wer­den neben öko­lo­gi­schen auch öko­no­mi­sche, sozio-kul­tu­rel­le Aspekte sowie die tech­ni­sche Ausführungsqualität und die Prozessqualität der Planung berück­sich­tigt. Das Gütesiegel wird in den Qualitätsstufen Bronze (nicht für Neubauten), Silber, Gold und Platin ver­lie­hen. Gebäude mit Gold- oder Platinstatus kön­nen für beson­ders her­aus­ra­gen­de Architektur zusätz­lich eine Diamant-Auszeichnung erhal­ten. Auch gan­ze Quartiere kön­nen zer­ti­fi­ziert wer­den.

LEED Logo

LEED

Der Kriterienkatalog des inter­na­tio­nal ver­brei­te­ten US-ame­ri­ka­ni­schen Gebäude-Zertifizierungssystems LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) berück­sich­tigt unter ande­rem den Standort, eine effi­zi­en­te Nutzung von Wasser, Energie, Materialien und Ressourcen, fer­ner die Innenraumqualität sowie Innovation, Design und Regionalität. Das Siegel ermög­licht einen glo­ba­len Vergleich von Immobilien.


Selbst hinter das Label schauen

Angesichts des Überangebots an Baumaterialien und Bauprodukten wol­len Bauproduktdatenbanken, Öko-Siegel und Standards Ordnung, Übersicht und Vertrauen schaf­fen und das jewei­li­ge Material und Produkt von der Konkurrenz abhe­ben. Einige Bauprodukte-Siegel sind in den ver­gan­ge­nen Jahren in die Kritik gera­ten, weil bei­spiels­wei­se Prüfkriterien nicht streng genug waren oder sind. Dringend nötig sind auch ein­heit­li­che EU- oder inter­na­tio­na­le Standards. So lan­ge sind Planerinnen und Bauherren gezwun­gen, sich das hin­ter einem Label ste­cken­de Konzept, die Auswahl‑, Prüf- und Zertifizierungskriterien genau anzu­schau­en.

Verpackung und Entsorgung

Achten soll­te man aber nicht nur auf das Produkt, son­dern auch auf sei­ne Verpackung. Besteht sie aus Kunststofffolien und Styropor oder einem nicht trenn­ba­ren Materialmix, wird der Nachhaltigkeitsanspruch des damit ver­pack­ten Produktes ad absur­dum geführt.

Klar ist auch: umwelt­scho­nen­de, nach­hal­tig her­ge­stell­te Bauprodukte sind gut. Besser ist die direk­te oder stoff­li­che Wiederverwertung von Abbruchmaterial. Obwohl Bau- und Abbruchabfälle hier­zu­lan­de einen gro­ßen Teil am gesam­ten Brutto-Abfallaufkommen pro Jahr aus­ma­chen, wer­den aus Recyclingmaterialien her­ge­stell­te Bauprodukte oder gebrauch­te, aber noch intak­te Bauelemente noch viel zu wenig genutzt.

Marian Behaneck ist frei­er Fachjournalist in Jockgrim (Pfalz)

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