Nach mehreren Jahren Forschung haben die Implenia AG, die WaltGalmarini AG und die ETH Zürich eine Holz-Beton-Verbunddecke entwickelt, die Emissionen drastisch senkt und neue Perspektiven für nachhaltiges Bauen eröffnet.
Der entscheidende Schritt gelang dank zwei Innovationsprojekten von Innosuisse, das die Implenia Schweiz AG und die WaltGalmarini AG in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich von 2016 bis 2024 durchgeführt und abgeschlossen haben. Die Projektpartner haben eine Holzverbundflachdecke (HVFD) für grosse Spannweiten bei gleichzeitig geringerem Stahl- und Betonverbrauch entwickelt. Das Besondere an dieser Technologie ist die Sandwich-Struktur aus Platten aus Nadel- und Laubholz und einer Betonschicht, die rund 40 Prozent leichter ist als eine Flachdecke aus Stahlbeton.
Diese Leichtigkeit birgt gleich zwei Vorteile: Der CO2-Fussabdruck des Gebäudes sinkt, insbesondere beim Gebäudekern und den Fundamenten, und es eröffnen sich neue architektonische Möglichkeiten. «Die HVFD ist eine effiziente Alternative zu herkömmlichen Decken, bei denen die Emissionen mit der Spannweite mitwachsen. Bei der HVFD bleiben sie jedoch fast gleich», erläutert Andrea Frangi, Professor für Holzbau am Departement Bau, Umwelt und Geomatik der ETH Zürich.
Das System hebt sich auch von bestehenden Holzlösungen ab. Ein Hohlraum dient zusätzlichen Funktionen, wie etwa der Schallisolation oder dem Brandschutz, und gleichzeitig bleibt die Lösung so flexibel, wie es bei Holz selten der Fall ist. Zudem kann die Decke ohne Schallentkopplung bei den Trennwänden einzelner Wohnungen weitergezogen werden – mit einem völlig flexiblen Ausbau als Resultat.‑ «Diese Technologie ist keine direkte Konkurrenz für herkömmliche Holz-Beton-Verbunddecken. Wir bieten dort eine ökologische Alternative zur Stahlbetondecke, wo bisher nichts anderes ging», so Professor Frangi.
Die Vorteile für die Umwelt sind immens. Bei Hochbauten zählt jedes Kilogramm – im Vergleich zur herkömmlichen Lösung könnte die HVFD die Emissionen des Rohbaus um 40 bis 50 Prozent senken. «Bei Hochhäusern spart man bei jedem Stock mehr», sagt Wolfram Kübler, Bauingenieur und Mitglied der Geschäftsleitung der WaltGalmarini AG.
Das Projekt eröffnet ausserdem neue Perspektiven für die Schweizer Holzbranche, insbesondere für bisher wenig genutzte Laubhölzer. Dank der Unterstützung von Innosuisse ist der Prototyp nun reif für den ersten Einsatz in grossem Massstab. Tatsächlich könnte die Technologie in das Hochhausprojekt Pi in Zug einfliessen. «Ohne den Beitrag von Innosuisse wäre eine solche Innovation nie entstanden. Solche innovativen Lösungen, die praxisorientiert sind und sich für echte Bauprojekten eignen, können nur mit einem interdisziplinären Team aus Industrie und Forschung entwickelt werden», schliesst Wolfram Kübler.
Autorin: Johanne Stettler


