StartNewsBauwirtschaftNachhaltig und überraschend stabil: Schwedische Architekten bauen immer mehr Wolkenkratzer aus Holz

Nachhaltig und überraschend stabil: Schwedische Architekten bauen immer mehr Wolkenkratzer aus Holz

Das Material mag wie eine schäbige IKEA-Kommode klingen – aber das verleimte Schichtholz, aus dem Schwedens neuestes architektonisches Wunder teilweise besteht, könnte bei zukünftigen Wolkenkratzern eine Rolle spielen.

In Schweden ver­su­chen Architekten, in die Zeit vor Beton, Ziegeln und Stahl zurück­zu­keh­ren. Sie wol­len beein­dru­cken­de Wolkenkratzer aus Holz zu bau­en, berich­tet die Washington Post.

Die Architekten sagen, dass die Umstellung auf Holz dazu die­nen soll, Nachhaltigkeitin die Baupraktiken zurück­zu­brin­gen. Die Bauherren haben bereits ein 108 Millionen Euro teu­res Proof-of-Concept mit dem Namen Sara Cultural Center in Skelleftea, Schweden, errich­tet. Das höl­zer­ne Hochhaus zeigt, dass die Grenzen des Möglichen bei Holzkonstruktionen noch nicht erreicht sind.

„Die Gemeinde woll­te ein ‚muti­ges Gebäude‘, und genau das haben wir ver­sucht“, sag­te Robert Schmitz, lei­ten­der Architekt bei White Arkitekter, der Firma, die hin­ter dem Sara-Kulturzentrum steht.

Therese Kreisel, Leiterin der Stadtplanung in Skelleftea, ist im Sara-Kulturhaus, einem der höchsten Holzgebäude der Welt, zu sehen.
Therese Kreisel, Leiterin der Stadtplanung in Skelleftea, ist im Sara-Kulturhaus, einem der höchs­ten Holzgebäude der Welt, zu sehen.

Fast alle Teile des Sara-Zentrums sind aus vor­ge­fer­tig­tem Holz gebaut und ver­fü­gen über gro­ße Säle, rie­si­ge Deckenbefestigungen und Kunstausstellungen sowie wei­te Ausblicke. Die Besucher des Zentrums kön­nen die öffent­li­che Bibliothek, die Bankettsäle und drei Theater besich­ti­gen. Für einen län­ge­ren Aufenthalt gibt es auf dem Gelände ein Hotel mit Restaurant, Pool und Spa.

Der Traum von der Holzarchitektur in Schweden endet nicht mit den Architekten des Sara-Zentrums. In Stockholm gibt es Pläne, ein gan­zes Stadtzentrum aus Holz zu bau­en.

Die Architekten sagen, dass zumin­dest in den stark bewal­de­ten Gebieten Schwedensdie Holzarchitektur aus meh­re­ren Gründen die Zukunft des nach­hal­ti­gen Bauens ist.

Holz ist nachhaltiger als Zement oder Stahl

Diese Gebäude sind nicht auf Zement ange­wie­sen. Die Emissionen des Baumaterials sind auf­grund der gestie­ge­nen Nachfrage und Produktion schnel­ler gestie­gen als die der meis­ten ande­ren ein­zel­nen Kohlendioxidquellen, Inside Climate News berich­tet. Untersuchungen der Universität von Rochester zei­gen, dass die Zementherstellung für 8 Prozent der welt­wei­ten Treibhausgasemissionen ver­ant­wort­lich ist.

Holz-Häuser sind auch nicht von Stahl abhän­gig. Die Herstellung die­ses Materials ver­ur­sacht 7 bis 9 Prozent der welt­wei­ten anthro­po­ge­nen CO2-Emissionen, so die Weltstahlverband.

White Arkitekter behaup­tet auch, dass ihr Verfahren koh­len­stoff­ne­ga­tiv ist. Die Gebäude wür­den selbst fast 9.100 Tonnen Kohlendioxid spei­chern. Somit wür­den sie selbst für den Transport und den Bau der Strukturen selbst ver­wen­de­ten Kohlenstoff aus­glei­chen.

Die Architekten des Sara-Zentrums erklär­ten der Publikation, dass es Verfahren gibt, die die Sicherheit die­ser Gebäude gewähr­leis­ten, wie z. B. die Verwendung feu­er­fes­ter Beschichtungen.

Der Trend zu Holzkonstruktionen ist nicht auf Schweden beschränkt. In ganz Europa, Asien und sogar in den USA wer­den Holztürme immer häu­fi­ger als Baumaterial ver­wen­det, was durch den Wunsch ver­stärkt wird, den Klimawandel zu bekämp­fen.

Die Post berich­tet, dass dies in den kom­men­den Jahren noch häu­fi­ger der Fall sein könn­te, da Länder in Europa und den USA begin­nen, Holzkonstruktionen in ihren Bauvorschriften zu berück­sich­ti­gen.

Einer Reuters-Analyse zufol­ge könn­te die Verwendung von Holzlaminat in den USA erheb­lich zuneh­men, wenn es in die US-Bauvorschriften auf­ge­nom­men wird und die Versicherung für Holzkonstruktionen auf­kommt.

Diese Bewegung ist nicht auf Holz beschränkt. An Orten wie Westafrika wen­den sich Architekten wie Diébédo Francis Kéré wie­der an tra­di­tio­nel­len Baumaterialien wie Erde, Stein und Vegetation als nach­hal­ti­ge Baumaterialien.

„Die gebau­te Umwelt – so wie sie jetzt gebaut wird – ist nicht nach­hal­tig“, sag­te Michael Green, der Autor von „The Case for Tall Wood Buildings“.

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