StartNewsBauwirtschaftMelanie Aliverti: «Wo die Fachkräfte zu finden sind»

Melanie Aliverti: «Wo die Fachkräfte zu finden sind»

In ihrer Kolumne für Bauenschweiz beschäftigt sich Melanie Aliverti mit der Frage, warum Frauen in der Baubranche immer noch unterrepräsentiert sind. Dabei ist der Fachkräftebedarf in der Bauwirtschaft enorm. In ihrem Text versucht Melanie Aliverti die wichtigsten Fragen zu beantworten und mögliche Lösungen aufzuzeigen.

Der Fachkräftebedarf in der Bauwirtschaft ist enorm. Dennoch sind in der Schweizer Bauwirtschaft Frauen immer noch stark unter­re­prä­sen­tiert. Je nach Quelle vari­iert der Frauenanteil zwi­schen zehn und fünf­zehn Prozent. Die Branche scheint ein gros­ses Potenzial brach lie­gen zu las­sen. Doch wes­halb ist die­ser Anteil so tief? Liegt es an den gesell­schaft­li­chen Erwartungen, den ver­schie­de­nen Interessen oder bran­chen­spe­zi­fi­schen Problemen? Gewiss spie­len vie­le Faktoren eine Rolle, aber wer­fen wir zuerst einen Blick auf das, was wir als Branche am ehes­ten ver­än­dern kön­nen – die Ausgangslage. 

Wenn man etwas genau­er hin­schaut – etwa auf die Anzahl Lernende – fällt rasch auf, dass eini­ge Berufe in der Bauwirtschaft bei Frauen sehr beliebt sind, ande­re wie­der­um gar nicht. Architektinnen und Malerinnen trifft man rela­tiv häu­fig an, wohin­ge­gen man lan­ge suchen muss, bis man eine Maurerin fin­det. Alle noch so unter­schied­li­chen Berufe unse­rer Branche tei­len jedoch ein Problem: Viele Frauen keh­ren ihrem Beruf den Rücken, spä­tes­tens wenn Kinder ins Spiel kom­men. Ein wich­ti­ger Grund dafür ist, dass Teilzeitmodelle oft noch nicht eta­bliert sind. Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie könn­te viel getan wer­den, indem mehr Offenheit gegen­über Teilzeitarbeit gezeigt wür­de.

Viele unse­rer Mitgliedsverbände haben den Handlungsbedarf erkannt und enga­gie­ren sich, um mehr Frauen für die Bauwirtschaft zu begeis­tern, zu för­dern und die Arbeitsbedingungen so zu ver­bes­sern, dass sie mög­lichst lan­ge im Beruf blei­ben. So hat der Schweizerische Maler- und Gipser-Unternehmer-Verband (SMGV) bei­spiels­wei­se das Projekt Teilzeitbau ins Leben geru­fen, um Beruf und Familie unter einen Hut zu brin­gen. Der SIA setzt sich mit dem Netzwerk «Frau und SIA» für Anliegen der Architektinnen ein. Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) wid­me­te dem Thema Frauen in der Bauwirtschaft letz­ten Herbst eine Ausgabe sei­nes Magazins, und der Campus-Sursee orga­ni­siert wert­vol­le Events wie «Wir bau­en auf Frauen». 

Frauen kön­nen eine wah­re Chance für die Schweizer Bauwirtschaft sein. Sie brin­gen neue Perspektiven ein und sind hoch­qua­li­fi­ziert. Somit besteht hier ein erheb­li­ches –bis­her weit­ge­hend unge­nutz­tes – Potenzial, dem Fachkräftebedarf zu begeg­nen. Dafür muss die Baubranche wei­ter­hin an ihrem Image arbei­ten und sich kon­kret dar­um bemü­hen, für Frauen attrak­ti­ver zu wer­den. Dazu gehört, die Gestaltungsmöglichkeiten und Kreativität am Bau zu beto­nen, die Sinnhaftigkeit, einen Teil zur Energiewende bei­zu­tra­gen, her­vor­zu­he­ben, oder eben auch fle­xi­ble Arbeitsmodelle zu för­dern und fai­re Entlöhnung und ein ange­neh­mes Arbeitsklima anzu­bie­ten. All das mag Geduld und Ressourcen erfor­dern, wird der gesam­ten Branche lang­fris­tig jedoch hel­fen.

Bauenschweiz setzt sich als Dachverband genau für die­se Anliegen ein und ermu­tigt Mitgliedsverbände und Unternehmen glei­cher­mas­sen, als Branche gemein­sam für mehr Inklusion auf dem Bau ein­zu­ste­hen. Gemeinsam mit «EnergieSchweiz» und der Konferenz der Gebäudetechnikverbände (KGTV) möch­te Bauenschweiz die­ses Jahr aus­ser­dem gemein­sa­me Dachaktivitäten für mehr Fachkräfte in der Baubranche lan­cie­ren. Hierzu lau­fen aktu­ell Finanzierungsgespräche mit den Mitgliedsverbänden.

Sourcebaublatt
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