StartNewsBauwirtschaftETH Zürich nimmt neuen Brandsimulator in Betrieb

ETH Zürich nimmt neuen Brandsimulator in Betrieb

Holz wird zum Bauen immer beliebter. Doch was, wenn es brennt? Die ETH Zürich untersucht dies mit einem Brandsimulator.

Er sieht aus wie ein gros­ser Würfel aus Stahl. Durch klei­ne Luken hin­durch sieht man ins Innere. Und dort geht es rich­tig heiss zur Sache. Zehn Gasbrenner an den Seitenwänden hei­zen den Ofen auf bis zu 1400 Grad Celsius auf: der neue Brandsimulator der ETH Zürich.

Millionenteure Hochtechnologie

Für 2.5 Millionen Franken hat die ETH Zürich in ihrer Heizzentrale auf dem Campus Hönggerberg die­sen neu­en Ofen instal­liert.

Speziell für Holzbrände aller Art ent­wi­ckelt, eigens dafür umge­baut, mass­ge­fer­tigt: Den Forscherinnen und Forschern der ETH erlaubt die­ser Ofen die Simulation rea­lis­ti­scher Brandverläufe.

Der neue Brandsimulator der ETH Zürich.
Mit dem neu­en Brandsimulator will die ETH Zürich die Auswirkungen von Bränden auf Holz in Gebäuden noch bes­ser unter­su­chen.
ETH ZÜRICH / MICHAEL STEINER

Und das wird offen­bar immer wich­ti­ger. Denn: Bauen mit der nach­hal­ti­gen Ressource Holz wird ste­tig belieb­ter. Gerade in der Schweiz erle­be der Holzbau eine Renaissance, schreibt die ETH Zürich.

Gab es bis Mitte der Nuller Jahre des neu­en Jahrtausends nur ein- bis zwei­stö­cki­ge Gebäude, die Holz als Tragstruktur ver­wen­den durf­ten, änder­te sich das dar­auf­hin.

«Ab 2005 lag die Grenze bei sechs Stockwerken und seit 2015 gibt es fak­tisch kei­ne Obergrenze mehr», schreibt die Hochschule wei­ter. Die Vorschriften dürf­ten ein Grund sein für die wach­sen­de Beliebtheit – ein ande­rer ist jedoch sicher auch die Nachhaltigkeit, die Holz als Baumaterial ver­spricht.

Besser im Bild über den Brandverlauf

Doch auch die Sicherheit ist zen­tral – und genau das will die ETH Zürich mit dem neu­en Brandsimulator wei­ter ver­bes­sern. Mit dem Simulator für Holzbauteile kön­nen mit­hin die Brandverläufe genau­es­tens simu­liert wer­den.

«Wir kön­nen die Temperatur im Ofen und den Sauerstoffgehalt genau ein­stel­len», so Holzbau-Professor Andrea Frangi. Die Holzteile kann man aus­ser­dem in Originalgrösse ver­bren­nen – also etwa meter­lan­ge Holzstützen – und Forschungen dar­über anstel­len.

Ein Bildschirm des Steuercomputers für den Simulator.
Per Computer wird der Simulator gesteu­ert und Daten aus­ge­wer­tet.
ETH ZÜRICH / MICHAEL STEINER

Dies ist dem­nach auch das Besondere an die­sem Simulator, der via zwei Computer von aus­sen gesteu­ert wird. Diese Forschung ist selbst­er­klä­rend auch für die Baubranche von Nutzen, wird doch immer mehr mit Holz gebaut. Und vor allem immer aus­ge­fal­le­ner.

Holz – eine besondere Ressource

Holz brennt zwar gut, aber grund­sätz­lich lang­sam. Das sei ein ent­schei­den­des Merkmal, sagt Andreas Frangi. Wenn eine Holzplatte bren­ne, dann ver­koh­le weni­ger als ein Millimeter Holz pro Minute.

Heisst: Auch wenn ein Holzhaus oder ein Gebäude mit viel ver­bau­tem Holz zu bren­nen beginnt, kann es noch ziem­lich lan­ge sta­bil blei­ben – je nach Umständen sogar meh­re­re Stunden.

Schweizer Holzlatten aufeinander gestapelt.
Holz erfreut sich zuneh­men­der Beliebtheit in der Baubranche. Derzeit befin­den sich meh­re­re Holzhochhäuser mit Höhen von bis zu 108 Metern unter ande­rem in Zug, Winterthur und Zürich in Planung oder sind bereits im Bau.
KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER

Auch die Forschung zei­ge, dass Holz punk­to Sicherheit gut abschnei­det. Stahlträger könn­ten sich im Brandfall ver­for­men und dadurch insta­bil wer­den. «Holzkonstruktionen kön­nen län­ger ihre struk­tu­rel­le Integrität behal­ten», so die ETH-Forschenden.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 08.06.2023, 17:30 Uhr; grud/hofn; gotl

Sourcesrf.ch
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