StartNewsBauwirtschaftDer Klimaneutralität ein Stück näher dank neuartigem Zement

Der Klimaneutralität ein Stück näher dank neuartigem Zement

100 % Swiss Made, kleinerer CO2-Fussabdruck und ein natürlicher Erdfarbton – der JURA ECO3 ist der neuste Zement aus dem Hause der JURA Materials-Gruppe. Der nach SN EN 197-5 zertifizierte Zement mit einheimischem kalziniertem Ton ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg, die Zementproduktion bis 2050 klimaneutral zu gestalten.

Die JURA Materials-Gruppe ist die Lösungsanbieterin für Baustoffe und umfasst 14 füh­ren­de Schweizer Unternehmen mit ins­ge­samt rund 500 Mitarbeitenden. Die Haupttätigkeiten der Gruppe sind das Gewinnen von Rohstoffen, die Produktion von Zement, Gesteinskörnungen, Beton und Belag sowie die mass­ge­schnei­der­te Beratung rund um die Entwicklung von nach­hal­ti­gen Baustoffen, deren Qualitätsprüfung, Verwertung und Entsorgung. 

Geogene CO2-Emissionen als Herausforderung

Zur JURA Materials-Gruppe gehört unter ande­rem die JURA CEMENT mit den bei­den Zementwerken Jura-Cement-Fabriken AG in Wildegg/AG und Juracime S.A. in Cornaux/NE. Die Herstellung von Zement ist ener­gie­in­ten­siv. Die Schweiz hat sich in inter­na­tio­na­len Klimaabkommen ver­pflich­tet, bis im Jahr 2050 Netto Null CO2 zu errei­chen sowie den Ausstoss an CO2-Emissionen bis 2030 gegen­über Stand 1990 zu hal­bie­ren. Die Zementindustrie ist sich ihrer gesell­schaft­li­chen und kli­ma­ti­schen Verantwortung bewusst. Sie hat seit 1990 ihre CO2-Emissionen aus damals pri­mär fos­si­len Brennstoffen um mehr als zwei Drittel redu­ziert. Eine Herausforderung bleibt der Klinker, der wich­tigs­te Bestandteil von Zement. Neben den CO2-Emissionen aus Brennstoffen ver­ur­sacht des­sen Herstellung CO2-Prozessemissionen, die bei der Kalzinierung, d.h. der Umwandlung von Kalkstein (CaCO3) zu gebrann­tem Kalk (CaO) ent­ste­hen. Der Kohlenstoff aus dem Kalkstein wird so in die Atmosphäre frei­ge­setzt. Diese Emissionen wer­den als geo­ge­ne Emissionen bezeich­net. Diese pro­zess­be­ding­ten Emissionen las­sen sich nicht mit Effizienzsteigerungen des Brennvorgangs oder dem Einsatz von alter­na­ti­ven oder bio­ge­nen Brennstoffen sen­ken. Sie sind unmit­tel­bar mit der Herstellung von Zementklinker ver­bun­den. Die Prozessemissionen machen rund zwei Drittel der CO2-Emissionen pro Tonne Zement aus. Andere Zumahlstoffe wie z. B. Hüttensand oder Flugasche wer­den teil­wei­se als Ersatz für den Klinker ein­ge­setzt. Allerdings sind sie redu­ziert ver­füg­bar oder müs­sen impor­tiert wer­den. 

Klinkerersatz durch einheimischen kalzinierten Ton als Teil der Lösung

Die JURA Materials-Gruppe erwei­tert kon­ti­nu­ier­lich ihr Portfolio an nach­hal­ti­gen Produkten und Dienstleistungen. Das haus­ei­ge­ne Baustofflabor Technical Competence Center TCC mit akkre­di­tier­ter Prüfstelle ent­wi­ckel­te einen klin­ker- und damit CO2-redu­zier­ten Zement mit kal­zi­nier­tem Ton. «Wir such­ten Wege, den Klinkeranteil im Zement zu ver­rin­gern und die­sen durch ande­re, weni­ger oder gar nicht CO2-belas­te­te Stoffe zu erset­zen. Es war klar, dass eine wei­te­re sub­stan­zi­el­le Klinkerreduktion nur über einen neu zu ent­wi­ckeln­den reak­ti­ven Zusatzstoff, der regio­nal und in aus­rei­chen­der Menge vor­han­den ist, erreicht wer­den kann», erklärt Emanuel Meyer, Leiter des TCC. «Der Ton für den JURA ECO3 Zement wird aus der betriebs­ei­ge­nen Tongrube der Juracime S.A. in Cornaux gewon­nen. Die geneh­mig­ten Reserven in der Grube rei­chen für 20 bis 25 Jahre. Da Ton bei nied­ri­ge­rer Temperatur gebrannt wird als Klinker, gene­riert er weni­ger CO2 Emissionen bei sei­ner Produktion. Als opti­ma­le Brenntemperatur hat sich eine Temperatur von ca. 650 bis 850° Celsius her­aus­ge­stellt, also etwa halb so hoch wie bei der Klinkerproduktion». 

Deutlich reduzierter CO2-Fussabdruck

Alles in allem ist der Ausstoss an CO2-Emissionen bei der Produktion von kal­zi­nier­tem Ton ca. 2/3 gerin­ger als jener bei der Klinkerproduktion. Da der Klinkergehalt im Zement dank dem reak­ti­ven, kal­zi­nier­ten Ton um mehr als 10 % redu­ziert wer­den konn­te, ent­ste­hen bei der Produktion von Beton mit JURA ECO3 Zement ins­ge­samt ca. 20 % weni­ger CO2-Emissionen pro m3 Beton ver­gli­chen mit Hochbaubetonen mit Portlandkalksteinzement. Zurzeit wird eine Ökobilanz für den CEM II/C‑M Zement erstellt, mit dem Ziel, dass die­ser im KBOB-Betonrechner auf­ge­nom­men wird.

Nebst klei­nem CO2-Fussabdruck über­zeugt Beton aus JURA ECO3 Zement mit einem moder­nen, war­men Erdfarbton. Hier im Vergleich: links her­kömm­li­cher Beton, rechts Beton mit JURA ECO3 Zement (Bild: zVg)

Anwendungsgebiet des neuen CEM II/C Zementes

Der JURA ECO3 ist der ein­zi­ge in der Schweiz zuge­las­se­ne CEM II/C Zement. Er wur­de als CEM II/C‑M (Q‑LL) Zement mit der Festigkeitsklasse 42.5 N von der unab­hän­gi­gen Prüfstelle TFB AG geprüft und von S‑Cert im Februar 2023 nach SN EN 197–5 zer­ti­fi­ziert. Er ist für den Hochbau NPK A‑C frei­ge­ge­ben und somit für sämt­li­che Anwendungen im Hochbaubereich (Fundamente, Aussenwände, Innenwände, Decken, Treppen, etc.), als Mager- oder Hüllbeton, als selbst­ver­dich­ten­der, leicht­ver­dich­ten­der oder was­ser­dich­ter Beton oder auch für Recycling-Betone ver­füg­bar. Die Zertifizierung für den Tiefbau ist in Vorbereitung. 

Erfolgreiche Testversuche unter Realbedingungen

Mitte 2022 wur­den in Cornaux erst­mals ca. 100 Tonnen CEM II/C‑M (Q‑LL) durch gemein­sa­mes Mahlen von Klinker, kal­zi­nier­tem Ton und Kalkstein pro­du­ziert. Zuerst wur­den zwei Hochbau-Betonmischungen (Sorte B und Sorte C) mit dem neu ent­wi­ckel­ten Zement CEM II/C‑M (Q‑LL) im Labor her­ge­stellt und die Frisch- und Festbetoneigenschaften geprüft. Dabei wur­de fest­ge­stellt, dass der JURA ECO3 trotz 10 % weni­ger Klinkergehalt im Vergleich zum bis­her öko­lo­gischs­ten Zement JURA ECO eine höhe­re Druckfestigkeit auf­weist. Die Betonmischungen erfül­len alle Norm-Anforderungen bezüg­lich Druckfestigkeit, Wasserleitfähigkeit (WLF) und Karbonatisierungswiderstand (KW).

Ebenfalls Mitte 2022 wur­de der frisch her­ge­stell­te JURA ECO3 Zement im Betonwerk unter rea­len Bedingungen im Hochbau getes­tet. Im Bereich Tiefbau wur­den zwei Betonbauteile rea­li­siert: eine LKW-Entladerampe (100 m3) und eine Bodenplatte (300 m3). Ein Beton NPK G konn­te so geprüft wer­den. Der Einbau ver­lief rei­bungs­los und die Baumeister zeig­ten sich über­zeugt: Die Entmischungsgefahr des Frischbetons zeig­te sich gering, das gute Festigkeitsverhalten und die hohe Dauerhaftigkeit des Festbetons waren wei­te­re Pluspunkte. So lau­te­ten die aus­schliess­lich posi­ti­ven Rückmeldung. Für Architekten, Ingenieure und Planer gel­ten kei­ne Einschränkungen bei den Bemessungsgrundlagen.

Die Basis für eine neue Generation nachhaltiger Zemente

Die JURA Materials-Gruppe ist in der Schweiz und in Europa einer der ers­ten Baustoffproduzenten, der einen Zement mit dem Zusatzstoff kal­zi­nier­ten Ton zur Marktreife gebracht hat. «Das Produkt wird den stei­gen­den Bedarf an nach­hal­ti­gen Lösungen im Markt bedie­nen», zeigt sich Ralf Schumann, Commercial Director Cement der JURA Materials-Gruppe, über­zeugt. «Hierbei spre­chen wir unter­schied­li­che Zielgruppen an: Zum einen sind dies die Baumeister, wel­che Objekte damit bau­en. Zum ande­ren wen­den wir uns an Investoren wie Städte und Gemeinden, Pensionskassen und Versicherungen, bei denen die Klimabilanz eines Bauprojekts eine immer grös­se­re Rolle spielt. Diese Investoren unter­stüt­zen wir mit dem JURA ECO3 dabei, die CO2-Bilanz eines Gebäudes wesent­lich zu ver­bes­sern.» Damit ist der JURA ECO3 Zement eine kon­se­quen­te Weiterentwicklung nach­hal­ti­ger Zemente mit ver­bes­ser­tem CO2-Fussabdruck. Er bil­det die Basis der stän­dig wach­sen­den öko­lo­gi­schen Produktlinie der JURA Materials-Gruppe. 

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