StartNewsBauwirtschaftAesch Soleil: Grossentwicklung mit Hürden – Eigentümer machen Druck

Aesch Soleil: Grossentwicklung mit Hürden – Eigentümer machen Druck

Das Entwicklungsgebiet Aesch Soleil im Norden der Gemeinde ist von kan­to­na­ler Bedeutung. Passiert ist seit­her wenig. Jetzt machen die Landeigentümer Druck: Es brau­che ver­bind­li­che Planungsgrundlagen und nicht noch eine Zonenplanrevision.

Eine Dachmarke exis­tiert schon mal: Als Aesch Soleil wird das Grossprojekt im Norden der Gemeinde Aesch posi­tio­niert. Auf einer Fläche von rund 300’000 Quadratmetern soll in Aesch Nord ein neu­es Quartier ent­ste­hen, mit Wohnraum, Arbeitsplätzen und Grünräumen. Das mag in man­chen Ohren bekannt klin­gen: Die zu ent­wi­ckeln­de Fläche ent­spricht damit von der Grösse her ziem­lich genau dem Entwicklungsprojekt auf dem Klybeck-Areal in Basel-Stadt.

Es ist also kein Pappenstiel, was sich die Aescher da vor­ge­nom­men haben. Allerdings ist die Fläche das ein­zi­ge direkt ver­gleich­ba­re mit dem Basler Klybeck-Areal. Wo sich zum Beispiel in der Stadt gera­de mal zwei Grundeigentümer ein gros­ses Areal tei­len und vie­le Bauten still­ge­leg­te Industriegebäude sind, ist in Aesch Soleil pures Leben ange­sagt: Hier tei­len sich eine Vielzahl von Grundeigentümern und eine Menge diver­ser KMU die Fläche.

Eigentümer befürchten das Scheitern eines austarierten Projekts

Seit 2016 sind Gemeinde und eini­ge Grundeigentümer am Entwickeln einer Planung für Aesch Nord. Neben dem Markennamen Aesch Soleil und der Website besteht auch schon ein Gesamtkonzept, das als Grundlage für die Weiterentwicklung von Teilgebieten des Areals dient. Klar ist, dass hier eine Mischnutzung von Arbeiten und Wohnen statt­fin­den soll, mit Einsatz von genos­sen­schaft­li­chen Wohnbauträgern. Klar ist aber auch, dass die Grundeigentümer lie­ber frü­her als spä­ter in die Quartierplanung gehen wol­len.

Doch dafür, sagen nun eini­ge, wür­den robus­te zonen­recht­li­che Voraussetzungen und ver­läss­li­che Rahmenbedingungen von­sei­ten des Kantons und der Gemeinde feh­len. «Es droht daher nicht nur, dass wil­li­ge Investoren ver­lo­ren gehen, son­dern auch, dass poten­zi­el­le Investoren zusätz­lich ver­un­si­chert wer­den», sagt Miteigentümer Christoph Meury von der Grien Immo AG.

Meury: «Die Spielregeln wurden geändert»

Christoph Meury von der Grien Immo AG zeigt auf «sei­ne» Parzelle: Mehrere Grundeigentümer bemü­hen sich zur­zeit gemein­sam um eine umfas­sen­de Entwicklung von Aesch Nord. Bild: Nicole Nars-Zimmer, Quelle: BZ Basel

Die Grien Immo AG ist Besitzerin einer der weni­gen brach­lie­gen­den Flächen auf dem Areal und gehört seit Beginn der Entwicklung zu den trei­ben­den Kräften. Meury befürch­tet, dass die Behörden den Zeithorizont aus den Augen ver­lie­ren und das aus sei­ner Sicht aus­ta­rier­te Gesamtprojekt gefähr­den. Insbesondere, da Kanton und Gemeinde den wei­te­ren Verlauf der Entwicklung nun an eine Zonenplanrevision knüp­fen.

Dabei brau­che es gera­de jetzt kla­re Planungsgrundlagen, sagt Meury. «Seit Jahren labo­riert die Gemeinde Aesch an die­ser Situation; es ent­steht durch­aus der Eindruck einer Überforderung bei den Behörden.» Statt zeit­nah ins Quartierplanungsverfahren star­ten zu kön­nen, hät­ten Kanton und Behörden «die Spielregeln geän­dert und das Projekt mit erwei­ter­ten Auflagen und einer neu­en Agenda zusätz­li­chen Risiken und Unwägbarkeiten aus­ge­setzt», sagt Meury.

Die «städtebaulichen Strategien» sollen mehrheitsfähig sein

Luftbild von Aesch mit Blick Richtung zukünf­ti­ges Aesch Soleil aus dem Sommer 2020: Der Perimeter ist rund 300’000 Quadratmetern gross. Bild: Benjamin Wieland Quelle: BZ Basel

Der Baselbieter Kantonsplaner Thomas Waltert beschwich­tigt: «Die von der Gemeinde und vier Grundeigentümern initi­ier­te Planung ist bei­spiel­haft.» Nun gel­te es, die­se «städ­te­bau­li­chen Strategien» mehr­heits­fä­hig aus­zu­ge­stal­ten. Das heisst: Wenn Aesch nun erst eine gründ­li­che Zonenplanrevision durch­füh­ren wol­le, sei dies als «sorg­fäl­ti­ge Vorgehensweise» rich­tig und ange­bracht.

«Bis dato fand die Planung in einem ein­ge­schränk­ten und pro­fes­sio­nel­len Kreis statt», sagt Waltert. Jetzt müs­se auf­ge­zeigt wer­den, wie das «Gesamtkonzept Aesch Nord» die unter­schied­li­chen Interessen auf­neh­men und auf die indi­vi­du­el­len Bedürfnisse reagie­ren kön­ne: «Das ist ele­men­tar. Ansonsten neh­men weder die öffent­li­che Hand noch die ent­wick­lungs­wil­li­gen Grundeigentümer ihre Verantwortung wahr.»

Gemeinde will zuerst den Gesamtüberblick erarbeiten

Für die Gemeinde Aesch ist daher klar: Erst brau­che es jetzt einen Gesamtüberblick. «Diese Abklärungen zu täti­gen, erfor­dert Zeit», sagt Gemeindepräsidentin Eveline Sprecher (SP). Sie habe durch­aus Verständnis, dass dies aus Sicht der Grundeigentümer nicht unbe­dingt ide­al sei. «Die Gemeinde muss jetzt aber zuerst die gründ­li­che Zonenplanrevision erar­bei­ten. Daher müs­sen wir Aesch Soleil auch in die­sem Gesamtüberblick anschau­en, um opti­ma­le Bedingungen für alle zu schaf­fen», sagt Sprecher. Zu klä­ren sei­en unter ande­rem Fragen in den Bereichen Erschliessung und Verkehr, aber auch Freiraumgestaltung, die auch für ande­re Teile von Aesch Folgen haben.

«Eine ers­te wich­ti­ge Grundlage für Aesch Soleil wur­de mit dem Gesamtkonzept bereits geschaf­fen», sagt Sprecher. Darauf kön­ne auf­ge­baut wer­den. «Sind die Fragen der Zonenplanung geklärt und recht­lich fest­ge­schrie­ben, kann es an die Quartierplanung gehen.» Die Zonenplanrevision von Aesch soll vor­aus­sicht­lich 2023 in das Mitwirkungsverfahren gehen und bes­ten­falls im Lauf des nächs­ten Jahres vor die Gemeindeversammlung kom­men.

Wie wich­tig der Norden von Aesch bezie­hungs­wei­se Aesch Soleil nicht nur für Investoren und Gemeinde, son­dern auch für den Kanton ist, zeigt ein Blick in den kan­to­na­len Richtplan. Es han­delt sich hier­bei um ein «Arbeitsplatzgebiet von kan­to­na­ler Bedeutung». Weitere sol­che Gebiete sind der Dreispitz, das Bachgraben-Areal, aber auch die Gewerbeflächen von Salina Raurica in Pratteln.

SourceBZ Basel
RELATED ARTICLES
Anzeigespot_img

Beliebteste