Mittwoch, 19. Juni, 2024
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18 Millionen Franken gegen Staus ennet der Grenze in Frankreich

Zu den Hauptverkehrszeiten ist bei Saint-Louis kaum ein Durchkommen – deshalb beteiligt sich auch der Bund an zwei Strassenbauprojekten.

Es ist nicht die erste Investition des Bundes im nahen Frankreich. «Schon im Agglomerationsprogramm der 2. Generation hat er sich in grossem Umfang an der 3er-Tram-Verlängerung nach Saint-Louis und der Park-and-ride-Anlage beim Bahnhof beteiligt», erinnert Patrick Leypoldt, Geschäftsführer von Agglobasel. Nun sollen im Rahmen des Agglomerationsprogramms der 4. Generation 16,3 Millionen Franken an ein Strassenbauprojekt bei Saint-Louis fliessen. «Das Projekt ist ein weiterer Baustein, um die Funktion des Bahnhofs von Saint-Louis als Verkehrsdrehscheibe zu stärken», fährt Leypoldt fort.

Tatsächlich kommt es beim Autobahnkreuz Saint-Louis und zwischen dem Kreisel von Hésingue, der zur Frachtzone des Euro-Airports führt, und dem Kreisel beim Friedhof von Saint-Louis, wo es rechts zum Zentrum des Städtchens, links zu dem grossen Einkaufszentrum Leclerc und geradeaus über die Palmrainbrücke nach Deutschland und Weil am Rhein geht, zu den Hauptverkehrszeiten am Morgen und am Abend regelmässig zu Staus.

Park-and-ride-Anlage und Bahnhof Saint-Louis nur schwer zu erreichen

740 Parkplätzen dann nur schwer zu erreichen ist und nur zum Teil genutzt wird. Deshalb soll die Landstrasse Route Départementale RD 105 zwischen der Autobahnabfahrt und dem Friedhof von Saint-Louis nun von zwei Spuren auf vier erweitert werden, wodurch eine Art städtischer Boulevard entsteht.

Vier moderne Ampelanlagen sollen auf diesem Abschnitt, von dem es auch zum Bahnhof und zur Tramendhaltestelle geht, den Verkehr regeln. Auch eine Begrünung mit Bäumen ist hier geplant. Sinn macht der Ausbau auch in Hinblick auf die Erschliessung des Technoports, der zwischen Flughafen und Saint-Louis entstehen und wirtschaftlich oder industriell genutzt werden soll, und des neuen Quartiers Euro3Lys, das am nördlichen Stadtrand von Saint-Louis geplant ist.

Bis hierhin soll später auch das 3er-Tram verlängert werden – die Planung hierfür muss ebenfalls schon berücksichtigt werden wie die nötige Verbreiterung der Eisenbahnbrücke der SNCF. Entstehen wird auch eine neue Brücke für Fussgänger und Velofahrer. Auch hieran beteiligt sich der Bund mit 40 Prozent, was 1,8 Millionen Franken entspricht – der Beitrag der Schweiz entspricht also insgesamt rund 18 Millionen Franken. Die Arbeiten werden voraussichtlich drei Jahre von 2024 bis 2026 dauern und mit der neuen Velobrücke beginnen.

Massnahmen haben Einfluss auf Verkehr im Schweizer Teil der Agglo

In der Schweiz war das Agglomerationsprogramm der 4. Generation Gegenstand einer Botschaft des Bundesrats, über die National- und Ständerat bis zum Herbst 2023 befinden sollen. Michael Furger, Mediensprecher des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE), begründet das Schweizer Engagement so: «Massnahmen im Ausland können mitfinanziert werden, wenn sie einen massgeblichen Einfluss auf den Schweizer Teil der Agglomeration haben und zum Beispiel Strassen in der Schweiz entlasten.» Der Bund sei zum Schluss gekommen, dass die Massnahmen den Agglomerationsverkehr verbessern würden.

Das Strassenbauprojekt im Süd-Elsass geht über die erwähnten Vorhaben hinaus und betrifft auch die Umgestaltung des Autobahnkreuzes und seiner vier Auf- und Abfahrten – gesamthaft kostet es damit 65 Millionen Euro. An den Kosten des Autobahnkreuzes wird sich die Schweiz allerdings nicht beteiligen.

Das ARE begründet das so: «Ein Aus- oder Umbau einer Autobahn wird nicht über das Agglomerationsprogramm finanziert. Autobahnen gehören dem Bund und nicht den Agglomerationen oder Kantonen.» Sie würden vollständig über ein anderes Programm des Bundes finanziert. Furger schreibt abschliessend: «Diese Massnahme konnte deshalb gar nicht von der Agglomeration zur Mitfinanzierung beantragt werden.»

Elsass übernahm geplanten Beitrag von Supermarkt-Investor Unibail

Verantwortlich für das Gesamtvorhaben ist die neue elsässische Gebietskörperschaft Collectivité européenne d’Alsace (CEA). Sie hat auch die 15 Millionen Euro übernommen, mit denen sich ursprünglich Unibail, der Investor eines beim Euro-Airport geplanten riesigen Einkaufszentrums, an den Strassenbaukosten beteiligen wollte. Das Vorhaben war gestorben, weil in Frankreich derartige grosse Supermärkte neuerdings verboten sind.

Der Ausbau der französischen Autobahn A35 soll noch weitergehen. Später ist daran gedacht, sie von der Grenze Saint-Louis/Basel bis Bartenheim von derzeit zweimal zwei Spuren auf zweimal drei Spuren zu erweitern.

SourceBZ Basel
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