Donnerstag, 22. Januar, 2026
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Sevilla baut Europas erstes „net-positives“ EU-Gebäude

Ein Verwaltungsbau, der mehr Energie erzeugt, als er verbraucht – das neue Joint Research Centre in Sevilla zeigt, wie öffentliche Gebäude der Zukunft aussehen könnten und welche Chancen sich daraus für die Bauwirtschaft ergeben.

In Sevilla, wo der Sommer monatelang Temperaturen von über 35 Grad bringt und das Licht in der Architektur eine zentrale Rolle spielt, entsteht ein Gebäude, das Symbolcharakter für ganz Europa hat: Das neue Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission wird das erste EU-Gebäude sein, das net-positiv arbeitet – es erzeugt also über seinen Lebenszyklus hinweg mehr Energie, als es selbst benötigt.

Der Entwurf stammt von der Bjarke Ingels Group (BIG), die den internationalen Wettbewerb für sich entschied. Ihr Konzept verbindet architektonische Tradition und Hightech: Eine grosse, ausladende Pergola-Struktur umspannt das gesamte Areal und dient nicht nur als Schattenspender, sondern auch als Energieerzeuger. Die Photovoltaik-Module, die in die Dach- und Fassadenflächen integriert sind, fangen das intensive Sonnenlicht Andalusiens ein und wandeln es in sauberen Strom um.

Neben der Energieeffizienz steht auch die Materialwahl im Fokus: Zum Einsatz kommen überwiegend Holz, Kalkstein und Keramik – allesamt aus der Region, um Transportwege kurz zu halten und die lokale Wertschöpfung zu fördern. Durch die Verwendung langlebiger und wiederverwendbarer Baustoffe wird die Ökobilanz zusätzlich verbessert. Innenräume sind so geplant, dass sie sich über Jahrzehnte flexibel an wechselnde Anforderungen anpassen lassen – ein wichtiger Aspekt für öffentliche Gebäude mit langer Nutzungsperspektive.

Das Projekt ist eingebettet in die New European Bauhaus Initiative. Diese verfolgt das Ziel, Nachhaltigkeit, Ästhetik und Inklusion gleichwertig zu berücksichtigen. Das JRC Sevilla wird damit nicht nur ein Verwaltungsgebäude, sondern auch ein Leuchtturmprojekt für die architektonische und energetische Zukunft Europas.

Für die Bauindustrie ist dieses Projekt besonders interessant, weil es zeigt, dass öffentliche Bauaufträge künftig weit höhere Anforderungen an Energiepositivität, Materialherkunft und Flexibilität stellen könnten. Wer in Zukunft bei vergleichbaren Ausschreibungen erfolgreich sein will, muss solche Konzepte beherrschen – technisch, planerisch und organisatorisch.

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