StartNewsArchitekturGigon/Guyer ersetzen die «Stützliwösch» in Zürich-Altstetten

Gigon/Guyer ersetzen die «Stützliwösch» in Zürich-Altstetten

Sie gehören zu den letzten grossen Entwicklungsgebieten in Zürich, die SBB-Areale zwischen Hauptbahnhof und Altstetten. Aus ihnen soll ein lebendiges Viertel für Arbeit und Freizeit werden – die «Werkstadt Zürich». Jetzt sind die Bauarbeiten für den ersten Neubau gestartet.

Die SBB benö­tigt ihre Werkstätten nahe dem Zürcher Hauptbahnhof nicht mehr. Einst wur­den in den Anlagen am Gleisfeld Züge repa­riert und gerei­nigt, heu­te sind die Areale eines der letz­ten gros­sen Entwicklungsgebiete in der Limmatstadt. Die Bauten auf dem im Norden von den Gleisen und im Süden von der Hohlstrasse begrenz­ten Gelände wur­den in meh­re­ren Etappen zwi­schen 1900 und 1920 gebaut. Zurzeit wird der Werkstattbetrieb zurück­ge­fah­ren und fin­det neu an ande­ren Standorten statt. Dieser Prozess soll Ende kom­men­den Jahres abge­schlos­sen sein. Für die Zeit danach sieht ein Masterplan die Transformation der ins­ge­samt 42’000 Quadratmeter gros­sen Anlage in ein attrak­ti­ves, leben­di­ges und viel­fäl­tig genutz­tes Stadtquartier mit publi­kums­ori­en­tier­ten Dienstleistungsangeboten vor: die «Werkstadt Zürich». Das soll Betriebe aus unter­schied­li­chen Branchen und Start-ups anlo­cken.

Das ver­bin­den­de archi­tek­to­ni­sche Element der kom­pak­ten Bebauung sind die gel­ben Backsteinfassaden. Die his­to­risch wert­vol­len Gebäude sol­len erhal­ten blei­ben und umge­nutzt wer­den. Neu Hinzugefügtes wird in sei­ner Gestaltung das Vorhandene auf­grei­fen und kreis­lauf­fä­hig sein, so das Ziel der SBB, die ihre Areale selbst ent­wi­ckelt. Dieser Anspruch gilt auch für den ers­ten Neubau, der ab Mai 2026 auf dem rund 1100 Quadratmeter gros­sen Grundstück der heu­ti­gen «Stützliwösch», der Autowaschanlage in der Hohlstrasse 424, ent­steht – obschon sein Massstab deut­lich grös­ser ist als jener der Nachbarbauten. Mit einem Studienauftrag such­te die SBB für ihr «Projekt X» nach einem Entwurf, der den immer lau­te­ren Ruf nach zir­ku­lä­rem Bauen beher­zigt und sich städ­te­bau­lich gut ins Quartier ein­fügt.

Für das Tragwerk wer­den 12 Kilometer aus­ran­gier­te Eisenbahnschienen aus den Beständen der SBB genutzt. (Visualisierung: © SBB CFF FFS)

Tragstruktur aus alten Schienen

Gemeinsam haben Leuthard Baumanagement und Gigon/Guyer Architekten den Gesamtleistungswettbewerb mit Präqualifikation gewon­nen. Ihr Projekt «GLEIS X» ist laut Jury zugleich «funk­tio­nal» und «inno­va­tiv». Es pas­se archi­tek­to­nisch ins Gesamtensemble der «Werkstadt Zürich». Der Entwurf zeich­net sich durch die kon­se­quen­te Verwendung gebrauch­ter Bauteile aus. Besonders bemer­kens­wert ist die Idee, 12 Kilometer an gebrauch­ten Schienen aus dem Materiallager der SBB zu Stützen und Deckenträgern für die Hauptgeschosse zu ver­ar­bei­ten. Alte Bauteile kom­men auch an der Gebäudehülle zum Einsatz: Sie wird aus gebrauch­ten Fenstern und wie­der­ver­wen­de­ten Welleternitplatten bestehen.

«GLEIS X» ist ein sie­ben­ge­schos­si­ger Gewerbebau. Die teils dop­pel­ge­schos­si­gen Räume ermög­li­chen die Ansiedelung ver­schie­de­ner klei­ner bis mit­tel­gros­ser Betriebe. Im ers­ten Obergeschoss ent­steht ein «Stadtgeschoss», das mit Dienstleistungs- und Kulturangeboten den Menschen im Quartier und der gan­zen Stadt einen Mehrwert bie­ten soll. Das Erdgeschoss wird zunächst Parkplätze auf­neh­men und dem Warenumschlag die­nen, spä­ter soll es in ein Gewerbegeschoss umge­wan­delt wer­den.

Die Fassade des Neubaus wird aus alten Welleternitplatten bestehen. Auch bei den Fenstern wird es sich um gebrauch­te Teile han­deln. (Visualisierung: © SBB CFF FFS)

Interessante Überlegungen und Hintergründe ent­neh­men Sie der Aufzeichnung anläss­lich eines Anlasses bei der Schweizer Baumuster-Centrale Zürich (SBCZ), die gera­de am Neubau angrenzt. Im Formate KONZEPTE wur­den unter dem Titel «reu­se, recy­cle, resour­ce» eini­ge Projekte betrach­tet, dar­un­ter auch der Ersatz der legen­dä­ren “Stützliwösch”.

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