StartNewsArchitekturDes Kaninchens Shortlist: Uetlibergstrasse 145

Des Kaninchens Shortlist: Uetlibergstrasse 145

Das Kaninchen, der Senn-Förderpreis für junge Architektur, zeichnet das beste Erstlingswerk des Jahres aus. In einer kleinen Serie präsentieren wir die vier Projekte der engeren Wahl.

Am 2. Dezember fei­ert Hochparterre die ‹Besten› in Architektur, Design und Landschaft. Das ‹Kaninchen› ergänzt die tra­di­ti­ons­rei­chen Hasen und prä­miert ein rea­li­sier­tes Erstlingswerk. Dieses Jahr gin­gen über zwan­zig Bewerbungen ein – vom Umbau eines Dachstocks bis zum Schulhaus-Neubau, vom pri­va­ten Auftrag bis zum gewon­ne­nen Wettbewerb. In einer klei­nen Serie zei­gen wir die vier Projekte, die in einer ers­ten Juryrunde auf die Shortlist gewählt wur­den. 

Des Kaninchens Shortlist #2: 

Gesamterneuerung mit Anbau Uetlibergstrasse 145, Zürich
Architektur: Studio Barrus, Zürich

Zwischen den bei­den Anbauten gelangt man zum Eingang.

Und das schrei­ben die Architektinnnen:

«Die prä­zi­se Analyse des Ortes hilft uns, sei­ne Qualitäten zu erken­nen. So kön­nen wir die­se erhal­ten und stär­ken. Wir möch­ten jedoch nicht nur im Einklang mit dem Bestand wei­ter­bau­en. Wir möch­ten auch etwas Neues kre­ieren.

Die Liegenschaft an der Uetlibergstrasse 145 beher­bergt als Zweispänner 8 Wohnungen. Auf dem Grundstück bestand Ausnützungsreserve. Die Wohnungen soll­ten mit einem Anbau um ein Zimmer erwei­tert wer­den. Der vor­ge­schla­ge­ne Anbau bie­tet eine neue Raumqualität an, ohne die bestehen­de Hausstruktur zu kon­kur­ren­zie­ren. Er stärkt das Vorhandene und schafft ein neu­es Ganzes.

Grundriss

Das belich­te­te Treppenhaus, die Bäder an der Fassade, die drei­sei­ti­ge Orientierung und der zen­tra­le Gang, der alles erschliesst und eine neu­tra­le Nutzung der Zimmer zulässt, wer­den als gros­ser Mehrwert für die Wohnungen erach­tet. Mit einem geschick­ten Abtausch der bestehen­den Küche mit dem dane­ben­lie­gen­den Zimmer ent­steht ein neu­es Eckzimmer mit zwei­sei­ti­ger Orientierung.

Querschnitt

Der vor­ge­schla­ge­ne Anbau ver­grös­sert die Wohnungen um je 12 Quadratmeter. Somit ent­ste­hen aus 3‑Zimmerwohnungen neu fle­xi­bel nutz­ba­re 4‑Zimmerwohnungen. Insgesamt wer­den 72 Quadratmeter mehr ver­miet­ba­re Fläche gene­riert.

Die Wohnungen öff­nen sich zum Aussenraum

Die Geometrie der Anbauten ist dyna­misch, die Räume schei­nen zu flies­sen und inte­grie­ren den Aussenraum in die Architektur. Durch die­sen Dialog zwi­schen Innen und Aussen ver­wi­schen die Grenzen – ein intro­ver­tier­ter Bestand öff­net sich, wird durch Durchblicke in die neu­en Anbauten extro­ver­tier­ter und gewinnt eine neue Dimension der Wahrnehmung. Man befin­det sich zwi­schen Leichtigkeit und Festigkeit, zwi­schen Alt und Neu. Ein flies­sen­der Übergang, bei dem man den Altbau ver­lässt, doch gleich­zei­tig in ihn zurück­blickt – sowohl nach innen als auch nach aus­sen.

Der neue Raum im Anbau inter­agiert mit dem Bestand.

Wir ver­ste­hen wei­ter­bau­en als eine fein­füh­li­ge Antwort auf das Vorhandene und als Auftakt zu was Neuem. Der Eingriff in die bestehen­de Bausubstanz wur­de aufs Minimum redu­ziert. Bei den Oberflächen wur­den die Sanierungsmassnahmen raum­wei­se defi­niert, die Parkettböden konn­ten erhal­ten und auf­ge­frischt wer­den.

Blick aus dem Treppenhaus

Die Nasszellen und Küchenräume wur­den grund­le­gend erneu­ert. Nebst neu­er Steigleitungen wur­den Sanitärapparate und Küchenmöbel kom­plett ersetzt. Zudem wur­den die bestehen­den Boden- und Wandbeläge ersetzt.

Sanfte Erneuerung des Bestands

Der Anbau ver­bin­det sich durch die prä­zi­se Setzung unter den bestehen­den Dachgauben selbst­ver­ständ­lich mit der vor­han­de­nen Gebäudefigur. Mit einer leich­ten Asymmetrie wird die Symmetrie des Bestands auf­ge­bro­chen. Die Leichtbaukonstruktion reckt sich in den Garten hin­aus. Sie rich­tet sich nach Westen und holt mit einer mög­lichst lan­gen Abwicklung von Osten her maxi­mal viel Licht in den Innenraum.»

Selbstverständliche Verbindung: Das Wohnhaus mit Anbau im Kontext

Gesamterneuerung mit Anbau Uetlibergstrasse 145, Zürich
Architektur: Studio Barrus, Zürich, mit Christian Bühlmann Architekten, Zürich
Bauherrin: Stiftung PWG
Verfahren: Leistungsofferte Plus, 2020
Fertigstellung: Juli 2024

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